Welche Medikamente bei Migräne wirklich helfen – und was die Spritze bringt

Jeder siebte Deutsche leidet an Migräne. Schmerz­mittel und spezielle Migräne-Medikamente können im Akutfall Linderung bringen. Stiftung Warentest hat gängige Medikamente überprüft und dabei auch die neue Migräne-Spritze unter die Lupe genommen.

Ein Stechen im Kopf, ein Pulsieren, Übelkeit, ein Flimmern vor den Augen: Migräne hat viele Facetten. Für die Betroffenen ist sie in den meisten Fällen schmerzhaft und kann den Alltag massiv einschränken. Manche leiden mehrmals im Monat unter den Attacken.

Häufig greifen sie dann zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Doch „die Ursachen von Migräne sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum bekannt“, erklärt Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums in Essen. „Deshalb ist eine gezielte medikamentöse Therapie schwierig.“

Spritze gegen Migräne seit Herbst auf dem Markt

Patienten mit einer besonders schweren Form von Migräne macht seit November 2018 eine neue Behandlungsmethode Hoffnung: die Migräne-Spritze. Sie heißt Aimovig und funktioniert wie ein Insulin-Pen bei Diabetes. Über einen Druckknopf sollen sich Anwender ganz einfach den Wirkstoff Erenumab injizieren können. Gespritzt wird alle vier Wochen, um Attacken vorzubeugen.

Stiftung Warentest checkt Studienlage

Die Experten von Stiftung Warentest haben die aktuelle Studienlage zur Migräne-Spritze untersucht. Ihr Fazit: „Die neuen Mittel wirken, aber in Grenzen.“ Erenumab könne Migräne-Attacken um etwa ein bis drei Tage pro Monat verringern. Das entspreche allerdings dem Erfolg von herkömmlichen Mitteln zur Vorbeugung, wie etwa Schmerzmitteln oder Triptanen, die es längst in Apotheken zu kaufen gibt.

Größter Kritikpunkt: Auch die Nebenwirkungen von Aimovig seien noch unklar. Probanden hatten das Mittel im Verlauf der Studie zwar gut vertragen, es könnten aber Langzeitfolgen auftreten, die aktuell noch nicht absehbar sind.

Sinnvoll sei die Behandlung mit den Spritzen vor allem für die Patienten, bei denen andere Mittel bislang wirkungslos blieben. Allerdings profitieren auch in dieser Gruppe nur etwa 30 Prozent der Patienten von dem neuen Medikament.

Diese Migräne-Mittel wirken vorbeugend

Ob die Krankenkasse die Kosten für die neue Behandlungsmethode übernimmt, müssen Patienten individuell abklären. Wer nicht zur Spritze greifen will, kann laut Stiftung Warentest mit folgenden Mitteln einer Migräne-Attacke vorbeugen:

  • Wirkstoff Metoprolol: MetoHexal, Metoprolol 1A Pharma, Metoprolol AL
  • Wirkstoff Propranolol: Dociton, Propra-Ratiopharm, Obsidan
  • Wirkstoff Topiramat: Topamax, Topiramat AL, Topiramat Glenmark
  • Wirkstoff Botulinumtoxin: Botox

Bei der akuten Behandlung der Schmerzen helfen unter anderem:

  • Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol
  • Triptane wie Almotriptan, Eletriptan oder Forvatriptan

Weitere Medikamente zur Behandlung von Migräne finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Stiftung Warentest.

Forscher arbeiten an weiteren Anti-Migräne-Mitteln

Bald könnte noch ein weiteres Mittel Migräne-Patienten helfen und der Spritze Konkurrenz machen. Ein Präparat namens Emgality mit dem Wirkstoff Galcanezumab steht kurz vor seiner Zulassung. Es soll ebenfalls in Form einer Spritze auf den Markt kommen.

Um einem Migräne-Anfall vorzubeugen, ist auch ein gesunder Lebensstil wichtig, betont Neurologin Dagny Holle-Lee. „So ist es bei Migräne grundsätzlich ratsam, negativen Stress zu vermeiden und sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Auch regelmäßiger Sport und ausreichender Schlaf helfen.“

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