Gesund im Home-Office: Wer 6 Regeln jetzt nicht befolgt, bekommt ein Problem

Home-Office, Maske, ausgefallene Kindergeburtstage und Urlaubsreisen – Corona nervt. Glücklicherweise sorgt Omikron für mildere Krankheitsverläufe und Lockerung der Schutzmaßnahmen stehen in Aussicht. Klug ist aber, wer sich nicht darauf verlässt, dass mit Ende der Maskenpflicht alles besser wird. Wie jetzt ein sinnvolles Corona-Mindset aussieht.

Es braucht manchmal erstaunlich wenig, um das Verhalten von Menschen zu verändern. Stellt man statt Marmeladenbrötchen Obstsalat auf den Frühstückstisch, wird der meist bereitwillig gegessen. Sagt man Menschen, sie dürfen in ihr Lieblingsrestaurant gehen und müssen dafür lediglich auf dem Weg zum Tisch eine FFP2-Maske aufsetzen, dann bleiben sie lieber zu Hause. Die Corona-Spätphase, in der wir uns – wenn weiter alles gut geht – gerade befinden, offenbart, wie kleine Hindernisse im Alltag unsere Stimmung verschlechtern und unsere Gesundheit gefährden.

Kino? Ach komm, ist doch total unkomfortabel. Wir streamen. Urlaub im Ferienhaus? Ne, solange ich nicht auf dem Kreuzfahrtschiff in mindestens sieben Restaurants essen kann, bleibe ich lieber zu Hause. Freunde einladen? Schon, aber vielleicht ist das jemandem unangenehm. Fitnessstudio? Ich bin ja damals im Lockdown ausgetreten…

Wir sitzen da und schimpfen: Auf beschlagene Brillengläser durch die Maske, auf widersprüchliche Regelungen und komplizierte Quarantäneauflagen sowie die Kollateralschäden für die Kinder. Ich kann auch wirklich jeden verstehen, den die Situation dann und wann überfordert. Aber dieses „Corona ist doof“-Mindset ist gefährlich. Warum?

Weil die Omikron-Variante, die im Vergleich zur Delta-Variante fast ein Geschenk des Himmels ist, nicht die letzte Variante sein muss. Weil ein bevorstehender „Freedom-Day“ nicht bedeutet, dass im Herbst 2022 nicht wieder eine Maskenpflicht erforderlich wird. Sein Gefühl von Freiheit und sein Wohlbefinden von der Maskenpflicht im Edeka abhängig zu machen und somit sein Glück vom Ende alle Corona-Maßnahmen ist nicht zu empfehlen.

Und sich das schmalzige Sicherheitsgefühl vom „Wetten, dass…?“-Fernsehabend von 1985 zurückzuwünschen, wo die Welt noch in Ordnung war, dürfte ebenso schief gehen. Die verpennte Digitalisierung, die Inflationsrisiken, die Klimakatastrophe, weltpolitische Spannungen, ein Strukturwandel ins digitale Zeitalter mit größten Verwerfungen am Arbeitsmarkt? Alles egal, wenn ich wieder Urlaub auf der AIDA machen kann. Diese Hoffnung auf ein völlig neues Lebensgefühl mit Ende der Corona-Maßnahmen dürfte trügerisch sein.

Dori Fischl/BurdaForward  

Über den Experten

Dr. Matthias Marquardt hat die „Laufbibel“ geschrieben, ist in der Laufszene als „Laufpapst“ bekannt und betreut als Sportinternist und Spezialist für Laufverletzungen Patienten aus ganz Deutschland in seiner Praxis für „Sport & Check-up“ in Hannover. Der begeisterte Triathlet duscht Sommer wie Winter im Garten und schwimmt gerne im Mittellandkanal, an dem er mit seiner fünfköpfigen Familie lebt. Der RunnigDoc schreibt auf FOCUS Online über Gesundheit, Bewegung und das Leben als Sportarzt. Hier finden Sie ihn bei Instagram und Facebook.

So sehr ich denen, die gerade besonders unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, eine Entlastung wünsche, einiges wird bleiben und es gibt kein Zurück. Wir haben die kurzfristigen Auswirkungen der Pandemie überschätzt. Es kam schlimm auf den Intensivstationen und in Pflegeheimen, es gab zu viele Tote, aber der gesellschaftliche Zusammenbruch blieb aus. Die langfristigen Auswirkungen, die sich mit einem, teilweise verschlafenen, Strukturwandel in unserem Lande vermischen, haben wir hingegen unterschätzt. Das Home-Office ist wohl das beste Beispiel dafür.

Manager mit Burnout, Familien am Limit – Home-Office ist nicht immer ein Erfolgsmodell

Laptops, das Internet, die Cloud und Videokonferenzsoftware gab es bekanntermaßen schon vor Corona. Remote arbeiten wurde trotzdem erst mit dem brachialen pandemischen Veränderungsdruck populär. Und da das ziemlich holterdiepolter ging, gab es wenig verwunderliche Anpassungsschwierigkeiten: Chefs, die den Mitarbeitern keine geeignete Büroausstattung beschafften, wunderten sich über Krankmeldungen wegen Rückenschmerzen. Manager glitten in den Burnout, weil sie von 7 bis 20 Uhr Videokonferenzen ohne Pause absolvierten. Familien gerieten ans Limit, weil der Vater angespannt bis in die Haarspitzen probierte geschäftliche Telefonate zu führen, während die Kinder schrien. Das Leben ist durchs Home-Office nicht immer leichter geworden.

In der Praxis beobachte ich jetzt die mittelfristigen Auswirkungen. Denn entfallene Wege zur Arbeit bedeuten nicht automatisch, dass man die gewonnene Zeit sinnvoll einsetzt. Im Gegenteil: Oft heißt es mehr Überstunden und mehr Netflix. Und dass die soziale Kontrolle bezüglich des Tagesablaufes wegfällt, tut auch nicht jedem gut. Früher hat man gefrühstückt und ging zum Mittagessen mit Kollegen in die Kantine. Es wäre dort unangenehm aufgefallen, wenn man den ganzen Tag von Sahnepudding und Schokolade lebt und den Schreibtisch nicht verlässt. Und heute?

Die Messungen von Körperfett, Cholesterin- und Zuckerwerten in meiner Praxis sprechen eine eindeutige Sprache. Und wer frohlockt, jetzt endlich aufs Land ziehen zu können, der stellt unter Umständen mit etwas Verspätung fest, dass er jetzt sogar für eine Tüte Milch ins Auto steigen muss und dass dies das ohnehin schon geringe Bewegungspensum im Alltag komplett auf null setzt.

 

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