Booster fürs Immunsystem! 5 Maßnahmen stärken deinen Darm und schützen vor Infekten

Je vielfältiger und gesünder die Darmflora, desto stärker ist die Immunabwehr. In der Erkältungszeit lohnt es sich deshalb, die Bakterien im Darm zu unterstützen.

Das Trainingslager unserer Abwehrkräfte sitzt im Darm. 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen, die Abwehrstoffe produzieren und im Körper Infekte oder Krebszellen bekämpfen, sind hier in der Submucosa stationiert. Submucosa heißt übersetzt „unter der Schleimschicht“. Der Darm stellt für die Abwehrkräfte deshalb eine besonders wichtige Schaltzentrale dar.

Hier stehen die Darmbakterien in engem Kontakt zu den Immunzellen. Und die Keime sind maßgeblich daran beteiligt, die Immunzellen für die Infektabwehr stark zu machen. Die ständige Konfrontation mit den Mikroorganismen bewirkt, dass die Abwehrkräfte stets wachsam sind. Deshalb liegt es nahe, sich auch gut um den Verdauungstrakt und die Darmflora zu kümmern, wenn wir unser Immunsystem stärken wollen. Bildschön/Dietzel

Über die Expertin

Michaela Axt-Gadermann ist Ärztin und Professorin für Gesundheitsförderung im Studiengang „Integrative Gesundheitsförderung“ an der Hochschule Coburg. Sie lebt mit Mann und Kindern in der Nähe von Fulda. Zum Thema „Darm“ hat sie zahlreiche Bücher geschrieben sowie ein lizensiertes, von den Krankenkassen anerkanntes Online-Ernährungscoaching („Gesund mit Darm“) entwickelt. Mehr Informationen finden Sie auch auf der Webseite „Gesund mit Darm“.

Da die Immunzellen nicht nur im Darm bleiben, sondern auch durch den Körper wandern und andere „Abwehrstationen“ wie die Lymphknoten besuchen, werden die Immun-Informationen weitergereicht. Auf diese Weise kann ein gesundes und vielfältiges Mikrobiom nicht nur vor Magen-Darm-Erkrankungen, sondern auch vor zahlreichen anderen Infekten schützen.

Studien zeigen, dass sich die Abwehrkräfte sogar gezielt durch die Einnahme probiotischer Bakterien stärken lassen.

„Gesund mit Darm“ von Michaela Axt-Gadermann

Probiotische Bakterien machen Immunsystem Beine

Probiotische Mikroorganismen werden seit Jahrhunderten genutzt, um Lebensmittel wie Sauerkraut haltbar zu machen, Bier zu brauen oder Milch zu fermentieren und Joghurt oder Kefir herzustellen. Dazu werden häufig Milchsäurebakterien wie Lactobazillen, Bifidobakterien, Steptococcusarten, aber auch bestimmte Hefepilze eingesetzt. Probiotische Bakterien gelten nicht nur als ungefährlich, ihnen werden auch zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben.

Unter Probiotika versteht man laut Definition der Weltgesundheitsorganisation „lebende Mikroorganismen, die einen gesundheitlichen Nutzen haben, wenn sie in ausreichenden Mengen verabreicht werden“. Diese probiotischen Keime können wir mit der Nahrung oder auch gezielt mit Nahrungsergänzungsmitteln zuführen.

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Welche Effekte sich mit Probiotika erzielen lassen, hängt sowohl von der Dosierung als auch von den verwendeten Bakterienstämmen ab. Probiotische Bakterien sind in der Lage, Entzündungen zu lindern, die Schlagkräftigkeit von Abwehrzellen zu stärken oder auch ein fehlgeleitetes Immunsystem, wie man es von Allergien oder Autoimmunerkrankungen kennt, wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Kinder profitieren von Probiotika

Studien zeigen, dass Personengruppen, die als besonders infektanfällig gelten – wie Kinder, ältere Menschen, Leistungssportler, Schichtarbeiter und Menschen unter Stressbelastungen – von einer regelmäßigen Zufuhr nützlicher Bakterien profitieren können. Kinder sind seltener erkältet, haben weniger Fieber und Husten und erkranken auch nicht so häufig an Magen-Darm-Infekten, wenn sie einige Wochen probiotische Bakterien einnehmen.

So sank durch die Einnahme der probiotischen Bakterien L. plantarum und L. paracasei über einen Zeitraum von zwölf Wochen bei schwedischen Vorschulkindern das Risiko für Erkältungskrankheiten messbar. Unter anderem nahm die Häufigkeit von Infekten insgesamt und auch die Anzahl der Krankheitstage ab und die Symptome waren schwächer ausgeprägt. Kinder, die drei Monate lang gesunde Bakterien erhielten, benötigten zudem weniger Medikamente als Kinder, die lediglich ein Placebo-Präparat einnahmen.

Probiotika stärken Immunsystem von Senioren

Nicht nur Falten und graue Haare nehmen mit den Jahren zu, auch die Abwehrkräfte lassen im Laufe des Lebens nach. Diese „Immunseneszenz“, die Alterung des Immunsystems, lässt sich möglicherweise durch ein gesundes Mikrobiom verzögern. Die Auswertung der Daten von insgesamt über 700 gesunden Senioren zeigte beispielsweise, dass nach drei bis zwölf Wochen Einnahme probiotischer Bakterien die Aktivität der Killerzellen deutlich zunahm. Killerzellen sind Immunzellen, die unter anderem Krankheitserreger und Tumorzellen angreifen und vernichten können.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen auch US-Wissenschaftler. Sie wiesen nach, dass eine Probiotika-Mischung, welche die Bakterienstämme B. bifidum, Streptococcus thermophilus, L. casei, L. reuteri und L. acidophilus enthielt, bestimmte Abwehrzellen wie B- und T-Lymphozyten gezielt stimulieren konnte und sogar in der Lage war, runterregulierte Abwehrkräfte wieder zu aktivieren. Schwelende Entzündungen gingen zurück. Das Fazit der Studie war, dass sich mit Hilfe von Probiotika nicht nur die Abwehrkräfte aktivieren lassen, sondern dass sie auch einen potenziellen therapeutischen Ansatz für entzündliche Erkrankungen darstellen können.

Milchsäurebakterien machen Sportlern Beine

Sportler profitieren gleich mehrfach von Probiotika. Studien belegten, dass sich Infektanfälligkeit und -dauer bei hartem Training oder Wettkämpfen senken und Entzündungen lindern ließen. Das betraf sowohl Magen-Darm-Beschwerden als auch Infekte der oberen Luftwege wie Halsschmerzen oder Schnupfen.

Gleichzeitig scheint das Mikrobiom auch für rund 20 Prozent der körperlichen Leistungsfähigkeit verantwortlich zu sein, wie eine kanadische Studie zeigt. Wissenschaftler der University of British Columbia in Kelowna wiesen nach, dass eine vielfältige und artenreiche Darmflora deshalb einen entscheidenden Faktor für eine gute Ausdauerleistung darstellt.

Probiotische Bakterien könnten deshalb eine Art „legales Doping“ darstellen. Das legt zumindest ein Laufbandtest unter Extrembedingungen nahe. Austrainierte Leistungssportler hielten bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit deutlich länger durch, wenn sie zuvor vier Wochen lang ein Nahrungsergänzungsmittel mit Laktobazillen, Bifidobakterien und Streptokokken erhalten hatten. Insgesamt liefen die Athleten mit Probiotika-Unterstützung fast fünf Minuten länger als die Probanden, die ein Placebo erhalten hatten.

Da das Immunsystem etwas Zeit braucht, um aktiviert zu werden, ist es sinnvoll, nicht erst abzuwarten, bis ein Infekt den nächsten jagt, sondern regelmäßig etwas für das Mikrobiom zu tun.

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