Mobiles Corona

Den Besucherinnen und Besuchern von Karls Erlebnis-Dorf in Rövershagen bietet sich heute ein ungewöhnliches Bild: Soldaten in Camouflage, ein Zelt der Bundeswehr. Ihr Auftrag: Gemeinsam mit dem Landkreis Rostock die Impfkampagne weiter vorantreiben. Ihr Vorgehen: Hybride Impfteams.

Pressesprecher Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern, Steven Ralfs
»Das hybride Impfteam setzt sich aus einem zivilen Impfarzt und einem zusätzlichen Mitarbeiter zusammen, der die Impfung aufzieht. Und die weiteren Mitarbeiter des Impfteams sind dann Soldatinnen und Soldaten. In dem Fall sind das fünf Soldaten, die quasi die gesamte Ablauforganisation sicherstellen. Das heißt die zu Impfenden begrüßen, Unterlagen aushändigen, den Ablauf erklären und dann entsprechend weiterleiten zum Impfarzt.«

Hybrid. Damit ist die Zusammenarbeit des Landkreis Rostock, der Bundeswehr und sieben Kommunen gemeint. Mit täglich wechselnden Standorten bringt das Pilotprojekt seit einigen Wochen den Corona-Impfstoff in die ländliche Region um Rostock.

Pressesprecher Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern, Steven Ralfs
»Gerade da, wo ein Impfzentrum sich vielleicht nicht, in Anführungsstrichen, rentieren würde, weil wir irgendwo in der Fläche sind, in kleineren Orten. Da ist ein mobiles Angebot einfach sehr gut, weil auch da vor Ort jeder Mensch seine Impfung bekommen kann.«

Kritische Stimmen hinterfragen den Einsatz der Bundeswehr zur Eindämmung der Pandemie. Der Vorwurf: Hilfe wäre angesichts der Flutkatastrophe an anderer Stelle nötiger. Steven Ralfs Antwort:

Pressesprecher Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern, Steven Ralfs
»Die Bundeswehr im Inland einzusetzen ist nicht einfach möglich und das ist auch gut so. Und die Bundeswehr ist da wo sie eben auch angefordert wurde und auch in dem Umfang, in dem sie angefordert wurde.«

Vor dem Freizeitpark wird das Projekt durchweg positiv aufgenommen. Nach einem Flug mit „Majas wilden Schwestern“ noch schnell die Impfung-to-Go. Diese Gelegenheit ergreifen heute einige Kurzentschlossene.

Impfling (1)
»Wir haben ein bisschen Urlaub. Da haben wir uns gedacht, wir fahren mal nach Karls Erdbeerhof. Und haben uns da die zweite Impfung geben lassen. Und jetzt sind wir raus aus’m Schneider. Astreine Sache.«

Besonders Touristen entschließen sich zur spontanen Impfung. Denn ein Vorteil des hybriden Impfteams: Sie sind nicht an Bundesgrenzen gebunden. So halten sie das Angebot niedrigschwellig.

Impfling (2)
»Wir sind einfach spontan hier. Wir wollten eigentlich Kuchen essen.«

Zum Kuchen gibt es heute Biontech. Und dafür ist nicht mal ein Impfausweis nötig. Mit der vorläufigen Bescheinigung des hybriden Impfteams zum Hausarzt oder in die Apotheke. Stempel drauf. Fertig.

Impfling (3)
»Und weil ich das Schild gesehen habe, hab ich gedacht wenn nicht jetzt, wann dann. Ich habe auch keinen Impfausweis jetzt heute dabei, weil ich wie gesagt zum Arbeiten hier war. Dann haben die gesagt ist kein Problem. Spontane Ideen sind meisten die besten, ne?«

Seit Mitte Juni läuft das Pilotprojekt. Seitdem erhielten X Menschen die Impfung-to-Go. Verimpft werden in der Regel X Dosen pro Tag.

Das hybride Impfteam soll zukünftig die vierte Säule der Impfstrategie neben Impfzentren, Arztpraxen und Betriebsärzten in Städten und Gemeinden sein. Denn genug Impfstoff ist da. Jetzt geht es darum die Impfwilligen abzuholen – und die Impflücke zu schließen, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern.

Impfarzt Landkreis Rostock, K.M.
»Ich denke mal, dass dieses Konzept, dieses zweigeleisige mit Zentrum und mobilen Teams ganz gut die Leute abholt. Die Impfbereitschaft ist da. Das ist so mein Eindruck aus den ganzen letzten Wochen. Es ist so: Man muss es den Leuten einfacher machen an eine Impfung zukommen und das bietet einfach das mobile Impfen.«

Doch es kam hier auch bereits zu Anfeindungen gegen das Impfteam. Erst vergangene Woche musste die Polizei bei einem Protest von Impfgegnern eingreifen.

Soldat der Bundeswehr, Maurizio B.
»Ja, es kamen schon Demonstranten-Gruppen. Also so viele wie ich zählen konnte waren es 10 Leute, glaube ich. Also es waren jetzt nicht viele, aber es hat schon gestört beim Betrieb.«

Maurizio B. will deshalb nicht mit Klarnamen genannt werden, genauso wie der Impfarzt des Teams. Ihre Sorge, angefeindet zu werden, ist zu groß. Doch sie betonen, dass die allermeisten Menschen positiv auf die Aktion reagieren.









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