Corona

Ivan Kirr muss wieder lernen, richtig zu atmen. Im November war er an Covid-19 erkrankt, hat die Infektion zu Hause durchgestanden. Doch es blieben Atemnot, Schwäche und Konzentrationsprobleme.

Ivan Kirr / Long-Covid-Patient
»Es ist wirklich beängstigend, gerade, wenn etwas Essenzielles wie Atmung wegfällt. Ich musste Energie aufwenden, um zu atmen.«

Sie soll Ivan Kirr das Atmen wieder beibringen: Kristina Stanek, Sängerin an der Hamburger Staatsoper. Sie zeigt ihm Übungen, die sie selbst täglich als Training für ihren Gesang macht.

Kristina Stanek / Opernsängerin
»Spüren Sie in der Einatmung, wie sich das Zwerchfell nach unten absenkt und in der Ausatmung langsam wieder zur Ursprungsposition zurückbewegt.«

Der 54-jährige Ivan Kirr hatte bisher nie Lungenprobleme. Jedes Jahr nahm er an diversen Läufen und Rad rennen teil. Mit Corona kamen Luftnot und Antriebslosigkeit, an Sport war nicht zu denken, genauso wenig an seine Arbeit als Entrümpler und Entkerner. Zu den körperlichen Beschwerden kamen Existenzängste hinzu.

Kristina Stanek / Opernsängerin
»Atem ist mit das Wichtigste für uns Menschen. Wenn da irgendwas blockiert ist, dann ist auch der Geist blockiert. Oder eben bei Sängern die Stimme. Also ein freier Atem ist gleich ein freier Ton. Und Long-Covid-Patienten leiden unter anderem unter Kurzatmigkeit, unter vielleicht auch Angststörungen, dem Fatique-Syndrom. Und das sind alles Dinge, die dann bearbeitet werden können, mit Atemübungen.«

Ivan Kirr helfen die Übungen.

Ivan Kirr / Long-Covid-Patient
»Als ich angefangen habe mit Frau Stanek sagte sie, ich war ich immer pitschnass nach den ganzen Übungen, Frau Stanek sagte: Sie verwenden immer noch so viel Kraft, um einzuatmen. Und Einatmung ist etwas ganz Natürliches und ich musste das alles wieder erlernen.
Es war von Frau Stanek auch so professionell und in einem Fluss rübergebracht, dass ich einfach drinnen war und gemacht habe und mit jeder Minute, in denen ich diese Übungen gemacht habe, es mir immer besser ging, Lebensqualität erkämpft habe.«

Im April startete das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf UKE zusammen mit der Hamburger Staatsoper das gemeinsame Projekt, an dem 15 Long-Covid-Patienten teilnehmen dürfen.

Hans Klose / Lungenfacharzt UKE
»Wie Liegestütz in Anführungszeichen für die Arme und Rumpfmuskulatur, ist es ein Muskeltraining der Atemmuskulatur, insbesondere des Zwerchfells. Und zweitens werden die Muskeln wie im anderen Training auch gedehnt. Also das Zwerchfell wird sozusagen in die maximale Einatem-, Ausatem-Stellung gebracht, um tatsächlich die Beweglichkeit wiederzuerlangen, dass die Patientinnen und Patienten wieder tief atmen können.«

Das Zwerchfell ist eine Muskel-Sehnen-Platte, die nach oben gewölbt ist. Beim Einatmen spannt sie sich an und flacht dadurch ab — die Lungen haben nun Platz, sich gut mit Luft zu füllen, der entstehende Unterdruck führt zur Einatmung. Beim Lockerlassen geht das Zwerchfell wieder nach oben, die die Atemluft strömt aus.
Auch die Muskeln zwischen den Rippen gehören zur Atemmuskulatur. Je flexibler sie sind, desto besser kann sich die Lunge ausdehnen.

Hans Klose / Lungenfacharzt UKE
»Also es ist eine Mischung aus Krafttraining und Flexibilitätstraining oder Dehnungstraining. Und das beides zusammen schafft dann tatsächlich eine Verbesserung der Atemfunktion für die betroffenen Patientinnen und Patienten, die eine spezifische Atemtherapie brauchen. Es ist schon beeindruckend, wie viele Patienten da freudig berichten, besser Luft zu kriegen und was wir an der Lungenfunktion messen können.«

Ivan Kirr hat sich von den verlorenen 40 Prozent Lungenvolumen inzwischen wieder 60 Prozent zurückerarbeiten können und ist optimistisch, bald wieder laufen gehen zu können.

Ivan Kirr / Long-Covid-Patient
»Ich nehme mir täglich die 10 Minuten, und mach diese Übungen, weil sie mir einfach guttun. Das Ganze hat sich angefühlt wie ein Befreiungsschlag. Die Lunge ist endlich da. Ich kann atmen. Ich habe eine ganz andere Körperhaltung. Ich stehe anders. Ich gehe anders. Ich war völlig in mir zusammengesackt.«

Auch Kristina Stanek profitiert vom Training. Da sie im Lockdown nicht auf der Bühne vor Publikum singen darf, ist sie froh, auf diese Art Menschen etwas Gutes zu tun – und freut sich, dass sie Ivan Kirr helfen kann.













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