Wir kommen nicht schnell genug voran: Drosten richtet eindringlichen Impf-Appell an alle

News zur Coronavirus-Impfung vom 23. Juli 2021

Auf dem schnellsten Weg zum Pieks:

  • Hausarzt, Impfzentrum, Drive-In, Newsletter – so kommen Sie jetzt an Ihren Impf-Termin
  • Biontech, Moderna, Astrazeneca (Vaxzevria), Curevac – Die wichtigsten Coronavirus-Impfstoffe im Check

Drosten ist "zunehmend besorgt über den Impffortschritt"

10.54 Uhr:  Das Impfen gegen das Coronavirus in Deutschland geht dem Virologen Christian Drosten derzeit nicht rasch genug. Er sei "zunehmend besorgt über den Impffortschritt", sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité in einem schriftlich geführten Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Hier kommen wir nicht schnell genug voran, obwohl genug Impfstoff zur Verfügung steht." Michael Kappeler/dpa Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin.

Viele Menschen wähnten sich angesichts einer niedrigen Inzidenz in Deutschland in einem falschen Sicherheitsgefühl. "Es ist wichtig, jetzt sehr viel mehr Informationsarbeit zu leisten – auch im privaten Umfeld, damit die Impfquote schneller ansteigt. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit von erneuten schmerzhaften Eingriffen im Winter", erklärte Drosten. Auch er wünsche sich, dass nicht noch einmal Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens notwendig werden.

Wer in Italien Essen gehen will, braucht künftig einen Gesundheitspass

Freitag, 23. Juli, 10.15 Uhr: Wer in Italien künftig die Innenräume von Restaurants, Bars oder Sportstätten betreten will, benötigt dafür einen Gesundheitspass: Der sogenannte grüne Pass soll ab 6. August eingeführt werden, wie die Regierung in Rom am Donnerstagabend mitteilte. Das landesweit gültige Dokument gibt Aufschluss über Corona-Impfungen, vergangene Infektionen sowie Corona-Tests. Es soll bereits nach der ersten – und damit noch unvollständigen – Immunisierung gegen das Coronavirus ausgestellt werden. Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild Leere Tische in einem Restaurant in Brandenburg.

"Der Gesundheitspass ist ein Instrument, das es den Italienern ermöglicht, ihren Aktivitäten nachzugehen und dabei sicherzustellen, dass sie sich nicht in der Nähe von ansteckenden Menschen befinden", sagte Ministerpräsident Mario Draghi am Donnerstag vor Journalisten in Rom. Der grüne Pass gilt demnach auch als Eintrittskarte zu Sportveranstaltungen, Konzerten, Theateraufführungen, Messen oder Kongressen – überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen und sich mit dem Coronavirus infizieren könnten. Diskotheken sollen nach Angaben der Regierung weiterhin geschlossen bleiben.

Der Gesundheitspass hatte innerhalb der Regierungskoalition zu Spannungen geführt. Der Chef der rechtsextremen Lega-Partei, Matteo Salvini, hatte etwa vor "unangemessenen Entscheidungen" gewarnt, "die die Mehrheit der Italiener von ihrem Recht auf Arbeit und Bewegungsfreiheit abhalten".

Ministerpräsident Draghi warnte die Italiener indessen vor der ansteckenderen Delta-Variante, die sich auch in Italien zunehmend verbreitet. "Ich lade alle Italiener ein, sich impfen zu lassen, und zwar sofort", sagte der Regierungschef. Am Donnerstag registrierten die italienischen Gesundheitsbehörden 5057 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, die Fallzahlen stiegen zuletzt wieder an.

Wegen gravierender Sicherheitslücke! Ausstellung von digitalen Impfnachweisen gestoppt

17.15 Uhr: Wegen einer gravierenden Sicherheitslücke hat der Deutsche Apothekerverband die Ausstellung von digitalen Impfnachweisen gestoppt. Das berichtet das "Handelsblatt". Demnach hätten sich zwei Hacker unbemerkt Zugang zum Impfnachweis-Portal verschafft. Es sei ihnen dadurch gelungen, gültige Zertifikate zu erstellen, ohne Prüfung, ob die jeweilige Person geimpft ist oder nicht. Um sich Zugang zum Portal zu verschaffen, hätten die beiden IT-Experten die Daten einer fiktiven Apotheke eingereicht. Die Experten gehören offenbar dem "Handelsblatt" an. „Das Handelsblatt hat nun mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber erzeugt“, berichtet der Verband laut Deutscher Apothekerzeitung. Zuvor hatte bereits das Nachrichtenportal "watson" aufgedeckt, dass von Deutschland aus falsche Covid-Zertifikate über dubiose Internet-Kanäle verkauft werden.

Weiter heißt es laut Apothekerzeitung: „Wann die Ausstellung von Zertifikaten wieder aufgenommen wird, steht noch nicht fest, der DAV befindet sich im engen Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium.“ Es werde derzeit noch geprüft, welche weiteren Sicherheitsvorkehrungen denkbar seien.

In NRWs Impfzentren können sich jetzt auch Jugendliche impfen lassen

12.42 Uhr:  Auch Zwölf- bis 15-Jährige können sich jetzt grundsätzlich in den nordrhein-westfälischen Impfzentren den Piks zum Schutz gegen das Coronavirus verabreichen lassen. Voraussetzung: Im Zentrum müssen Kinderärzte die Jugendlichen beziehungsweise ihre Sorgeberechtigten gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) beraten. Das teilte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium am Donnerstag in Düsseldorf mit. "Die Einwilligung zur Impfung hat durch alle sorgeberechtigten Personen zu erfolgen."

Die Möglichkeiten für Corona-Schutzimpfungen seien in dieser Altersgruppen nicht in allen Regionen des Landes gleichermaßen verteilt, berichtete Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). "Das sollte aber nicht vom Wohnort abhängen." Das Land ermögliche daher nun Angebote in Impfzentren und stärke damit die medizinische Wahlfreiheit der Eltern. Federico Gambarini/dpa/Symbolbild Eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff wird aufgezogen.

"Mir ist aber wichtig festzuhalten, dass auch in den Impfzentren die Empfehlungen der Stiko gelten", betonte Laumann. "Ein "Ärmel hoch und Spritze rein" soll es bei jungen Menschen nicht geben. Das ärztliche Aufklärungsgespräch ist vor allem bei Impfungen von Kindern wichtig." Derzeit empfiehlt die Stiko beim Robert Koch-Institut Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausschließlich bei bestimmten Vorerkrankungen oder bei einem regelmäßigen Kontakt zu Personen mit erhöhtem Risiko schwerer Krankheitsverläufe, die selbst nicht geimpft werden können.

Ab sofort könnten die Impfzentren nun ein entsprechendes Angebot einrichten, sofern vor Ort ein entsprechender Bedarf bestehe. Dies könne allerdings regional unterschiedlich sein, stellte das Ministerium fest. "Aufgrund des erhöhten Beratungsbedarfs soll ein definierter Zeitraum für die Impfungen der Kinder und Jugendlichen in den Impfzentren vorgesehen werden". Interessierte sollten sich vorab erkundigen, ob und ab wann ein Impfangebot für diese Altersgruppe eingerichtet werde.

Merkel wirbt in Sommer-PK fürs Impfen: "Jede Impfung ist ein kleiner Schritt zu mehr Schutz"

12.26 Uhr:  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Sommer-Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin für einen eindringlichen Appell für mehr Impfungen gegen das Coronavirus genutzt. "Je mehr Menschen geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein", sagte die Kanzlerin. Sie warnte vor einer erneuten Verschlechterung der Lage angesichts der wieder exponentiell wachsenden Infektionszahlen.

Auch diejenigen, die noch zögerten, sollten bedenken: "Jede Impfung ist ein kleiner Schritt zu mehr Schutz für alle", sagte Merkel weiter. Daher sollten auch alle, die bereits überzeugt und geimpft sind, in Familien- und Freundeskreis oder am Arbeitsplatz für mehr Impfschutz werben. "Wir wollen alle unsere Normalität zurück, aber die erhalten wir nur als Gemeinschaft zurück", sagte die Kanzlerin. dpa

Die wieder starke Zunahme der Infektionen, deren Zahl sich regelmäßig verdopplt, bezeichnete Merkel als "dramatisch". Daher müssten Vorsichtsmaßnahmen unbedingt weiterhin und auch wieder verstärkt eingehalten werden. "Regelmäßiges Testen muss und wird auch wieder verstärkt eine Rolle spielen", sagte die Kanzlerin. Dies gelte vor allem bei Aufenthalten in Innenräumen, aber auch für Schulen und Kitas.

Immerhin trage das Impfen bereits jetzt dazu bei, auch höhere Inzidenzen besser zu bewältigen, ohne dass das Gesundheitssystem überlastet werde, denn "Menschen werden vor einem schweren oder tödlichen Verlauf gut geschützt". Zu den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, werde nun zunächst das Robert-Koch-Institut (RKI) Szenarien entwickeln und dann die Politik über das weitere Handeln beraten.

Laumann fordert zusätzlichen Corona-Impfstoff für Hochwassergebiete

8.37 Uhr: Zusätzliche Impfmöglichkeiten sollen die Menschen in den Hochwasser-Gebieten von Nordrhein-Westfalen vor der Ausbreitung des Coronavirus schützen. "Wir haben allen Gesundheitsämtern gesagt, sie kriegen zusätzlich auch Impfstoff von Johnson & Johnson, den man ja nur einmal impfen muss und der sich deshalb in dieser Situation auch besonders gut eignet", sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag im WDR. In der Städteregion Aachen würden auch Impfbusse eingesetzt.

In besonders betroffenen Regionen wie dem Kreis Euskirchen oder dem Rhein-Sieg-Kreis liege die Corona-Inzidenzzahl derzeit deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Momentan gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern könnte. "Aber klar ist ja, wenn Menschen eng zusammenrücken, ist ja die Ansteckungsgefahr höher als wenn sie weiter auseinander sind", sagte Laumann.

"Uns berichten die örtlichen Impfzentren, dass sie die Lage im Griff haben", sagte Laumann. Natürlich könnten sich die Menschen auch nach wie vor in Arztpraxen impfen lassen – mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung sei dafür gesorgt, dass die medizinische Versorgung überall gewährleistet ist.

Länder setzen zunehmend auf mobiles Impfen wegen sinkender Impfzahlen

8.31 Uhr: Nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) sinkt die Anzahl der täglich verabreichten Impfdosen in Deutschland. Am Dienstag wurden beispielsweise nur 572 482 Dosen gespritzt, verglichen mit dem Höchststand von 1,5 Millionen am 9. Juni. Besonders die Impfzentren verzeichneten einen Rückgang laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung. Aber auch die Arztpraxen sind demnach weit vom Rekord entfernt. Gleichzeitig steigt die Inzidenz wieder. Bislang haben etwas mehr als 60 Prozent der Bevölkerung laut RKI mindestens eine erste Impfung bekommen. Sebastian Gollnow/dpa Am 27. Juli: Karlsruher Studierendenwerk bietet Corona-Impfung für Studenten an

In den hessischen Impfzentren erschienen rund 20 Prozent nicht zu ihren Terminen, wie das Innenministerium mitteilte. Auch in Berlin wurden laut Gesundheitsverwaltung rund 20 Prozent der Termine nicht genutzt. In Thüringen seien die überregionalen Impfzentren laut Gesundheitsministerium nur noch zur Hälfte ausgelastet. In Baden-Württemberg sei die Zahl der Erstimpfungen in den Impfzentren zuletzt um 70 Prozent eingebrochen, so das Gesundheitsministerium.

Die geringe Auslastung führt dazu, dass vermehrt Impfzentren schließen. Bayern machte letzte Woche erste Zentren zu, auch in den verbliebenen Zentren wurde teilweise die Kapazität reduziert – und das Herunterfahren weiterer fester Standorte werde vorbereitet. In Berlin schloss das Impfzentrum Tempelhof am Mittwoch, drei weitere sollen bis Ende August folgen. In Thüringen soll von vier überregionalen Impfzentren nur das in Erfurt über den Sommer hinaus fortgeführt werden. Baden-Württembergs regionale Zentren sollen Mitte August schließen. Andere Länder wie Hessen, Schleswig-Holstein oder Sachsen wollen ihre Zentren bis Ende September offen halten.

Um mehr Menschen zu erreichen, setzen viele Länder auf flexible Impfangebote. "Wenn die Menschen nicht zu den Impfungen kommen, dann müssen die Impfungen eben zu den Menschen kommen", betonte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). "Ob eine Impfung im Fußballstadion, mobile Impfteams auf Markt- und Supermarktplätzen oder Impfungen ohne Termin in den Zentren – alle Initiativen sind willkommen", erklärte Baden-Württembergs Ressortchef Manne Lucha (Grüne). Auch Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) kündigte am Montag an, bis zum Ende der Impfzentren im September noch einmal den "Impf-Turbo anzuschmeißen".

In vielen Ländern sind mobile Impfteams unterwegs, oder es gibt Impfungen bis in die Nacht hinein. Bremen impft ausländische Seeleute direkt an ihren Schiffen. In Thüringen kann man sich in Sonneberg mit der Spritze eine Bratwurst abholen. In Berlin gibt es Drive-In- oder Walk-In-Impfungen an einer Ikea-Filiale. Vielerorts kann man auch ohne Termin in Impfzentren eine Spritze bekommen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, dämpfte jedoch die Erwartungen für solche Methoden. "Mobile Impfangebote können helfen, Menschen zu erreichen, aber richtig Strecke machen Sie damit voraussichtlich nicht", sagte Gassen. "Es gibt eine relevante Zahl von Menschen, die sich schlicht nicht impfen lassen will."

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