Wie Altarzneimittel die Forschung nachhaltiger gestalten können

Wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) informiert, ist heute „Global Recycling Day“, eine Initiative der „Global Recycling Foundation“. In diesem Rahmen macht die DBU auf ein Projekt der Pharmazeutischen Chemie in Erlangen aufmerksam, über das die DAZ bereits 2019 berichtete. Dort wurden Recycling-Verfahren für Arzneimittel entwickelt, die nun in den nächsten Wochen auch anderen Forschungseinrichtungen angeboten werden sollen.

Am Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen wird an der „Rückgewinnung und Verwertung von Wirkstoffen aus Altarzneimitteln“ geforscht. Darüber berichtete die DAZ bereits Ende 2019. Damals lief das Projekt schon seit etwa zwei Jahren.

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Wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) anlässlich des heutigen „Global Recycling Day“, einer Initiative der „Global Recycling Foundation“, mitteilt, kann die von ihr geförderte Forschungsinitiative jetzt von sehr guten ersten Ergebnissen berichten. „Die dort entwickelten Verfahren sollen in den nächsten Wochen auch anderen Forschungseinrichtungen angeboten werden“, heißt es.

Im Chemikum der FAU in Erlangen stapeln sich also seit einiger Zeit abgelaufene Schmerztabletten, Antibiotika und Blutdrucksenker. Genutzt werden sie von Prof. Dr. Markus Heinrich, Professor für Pharmazeutische Chemie an der FAU, und seinem Team, um zu erforschen, wie man Altarzneimittel kommerziell weiterverwenden kann. Die noch enthaltenen Arzneistoffe seien wertvolle Chemikalien und hätten großes wirtschaftliches Potenzial, das in Deutschland bisher nicht ausgeschöpft wurde, so Heinrich gegenüber der DBU. „Wir wollen die Forschung nachhaltiger gestalten, indem wir teure Wirkstoffe aus Arzneimitteln wieder nutzbar machen.“

Arzneimittelrecycling funktioniert – aber nicht für medizinische Zwecke

Abgegeben werden können die alten Arzneimittel nicht nur direkt in einem Sammelcontainer der FAU, sondern auch bei kooperierenden Deponien und Wertstoffhöfen, in Apotheken sowie Arztpraxen im Umkreis. Solche Spenden helfen dabei, „günstige Verfahren für das Abtrennen der Hilfsstoffe zu entwickeln und Wirkstoffe für Forschung und Praktika wieder nutzbar zu machen“, erklärt Heinrich den Kern seiner Forschungsarbeit. Anschließend folgt eine Qualitätskontrolle für die Vermarktung, allerdings nicht mehr für medizinische Zwecke. 

Dennoch: Die zurückgewonnenen Wirkstoffe können laut Heinrich je nach Reinheit als Forschungschemikalien, bei der Lebensmittelkontrolle oder für die Wirkstoffentwicklung in der medizinischen Chemie genutzt werden. „Uns erreichen große Mengen alter Medikamente“, so der FAU-Professor. „Da uns mittlerweile zahlreiche Verfahren für die Rückgewinnung der Wirkstoffe zur Verfügung stehen, können sich ab sofort interessierte Forscherinnen und Forscher mit Anfragen an uns wenden.“ 

Dr. Volker Berding, DBU-Referent für Ressourcenmanagement und fachlicher Betreuer des Projekts, findet: „Für eine nachhaltige Forschung und Ressourcenschonung kann das FAU-Projekt Wegbereiter bei der Rückgewinnung von Arzneiwirkstoffen sein.“ Apotheken, die das Forschungsprojekt aktiv unterstützen möchten, können kostenfrei entsprechende Hinweisschilder anfordern. Hier geht es außerdem zu einem Video-Interview mit Prof. Dr. Markus Heinrich. 

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