Virologe warnt: Dengue-Fieber verbreitet sich bald in Deutschland

Wenn der Lebensraum von Tieren zunehmend eingeengt wird, wächst das Risiko von Zoonosen – Krankheiten zwischen Mensch und Tier. Ein Beispiel dafür ist das Dengue-Fieber. Das könnte sich nun auch in Deutschland ausbreiten, warnt ein Virologe.

Dengue-Fieber, HIV und auch Covid-19 – die Zunahme von Virus-Erkrankungen ist nach Auffassung des Mainzer Virologen Bodo Plachter eine Folge von menschlichem Fehlverhalten gegenüber der natürlichen Umwelt.

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Wie Plachter sagt, seien mit der menschengemachten Klimaerwärmung auch in Mitteleuropa Krankheiten zu erwarten, die bisher auf die Tropen beschränkt gewesen seien. „Wir werden daher sehr wahrscheinlich erleben, dass sich zum Beispiel das Dengue-Fieber auch bei uns verbreiten wird“, sagt der Wissenschaftler.

Erderwärmung führt zur Verbreitung von Krankheiten

Bei dem Dengue-Fieber handelt es sich um eine hochfieberhafte Viruserkrankung, die durch Stechmücken auf den Menschen übertragen werden. Dengue gilt laut dem Tropeninstitut als die weltweit häufigste durch Mücken übertragende virale Erkrankung. Hierzulande kommt die Erkrankung in erster Linie bei Reisenden auf, die aus Ländern wie Südostasien oder Süd- sowie Zentralamerika unterwegs waren.

Als typische Ansteckungsländer gelten Thailand, Indien, Indonesien oder Brasilien. Mittlerweile sind auch Ansteckungen in Ländern im Süden Europas möglich. Erste Ansteckungen wurden bei Reisenden im südlichen Frankreich und Kroatien im Jahr 2010 nachgewiesen. Auch im Deutschen Sommer können die Mücken überleben. So nimmt die Zahl der Erkrankungen auch hierzulande stetig zu:

  • 2009 erkrankten laut Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) knapp 300 Personen,
  • 2016 waren es schon 1029.

Mückenarten überleben Deutschen Winter

Das Problem: Normalerweise sterben bestimmte Mückenarten in unseren Breitengraden im Winter aus. Mit der Klimaerwärmung sei jedoch zu erwarten, dass auch solche den deutschen Winter überleben, die das bisher nicht konnten, erklärt Plachter. So auch das Dengue-Virus, welches durch die Aedesmücken – auch bekannt als asiatische Tigermücke – übertragen wird.

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Dank der erhöhten Temperaturen hat die Mücke die Möglichkeit, sich immer weiter auszubreiten. Dabei kommt sie vor allem in städtischer Umgebung vor. Die Mücken-Weibchen legen ihre Eier nahe kleiner Wasseransammlungen ab – zum Beispiel in Eimern, alten Reifen, Blumentöpfen oder Regentonnen. Infizierte Mücken-Weibchen übertragen das Dengue-Virus in Folge direkt auf ihre Brut.

Viren wollen sich vermehren

Laut Plachter variiert die von Viren ausgehende Gefahr. „Viren wollen uns nicht krank machen“, betont der Wissenschaftler. „Ihr einziges Ziel ist die Vermehrung und – wie überall in der Natur damit verbunden – die Erhaltung der eigenen Art.“

Mit einer Dengue-Infektion geht in der Regel starkes Fieber sowie starke Kopf-, Muskel-, Knochen- und Gliederschmerzen einher – daher auch der Name „breakbone fever“. Nach einem plötzlichen Fieberanstieg und anschließenden Fieberrückgang kann die Temperatur erneut nach ein bis zwei Tagen ansteigen.

Symptome des Dengue-Virus – das „breakbone fever“

Häufig tritt dann ein grobflächiger Hautausschlag auf, der unter Umständen den gesamten Körper – nicht aber das Gesicht – betrifft. Auch kleine Einblutungen in Haut und Schleimhaut sind möglich. Nach einem Stich durch eine infizierte Mücke äußern sich die Symptome meist nach drei bis 14 Tagen.

Die typischen Symptome sind:

  • plötzlicher Fieberanstieg bis zu 40 Grad Celsius: häufig für zwei bis vier Tage anhaltend, tastbar langsamer Puls
  • Schüttelfrost
  • Schwere Erschöpfungszustände
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • weitere mögliche Beschwerden: Bindehautentzündung, Hautausschläge, Milz- und Lymphknotenschwellungen

Meist erholen sich die Betroffenen innerhalb weniger Tage wieder. Bei einem leichten Verlauf halten die Beschwerden maximal drei Tage an. Dengue-Fieber kann aber auch zu schweren Komplikationen bis hin zum Tod führen.

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Schwerer Verlauf kann bis zum Tod führen

Komplikationen können beim sogenannten hämorrhagischen Dengue-Fieber (DHF) und dem Dengue-Schocksyndrom (DSS) – vorrangig bei Kindern – auftreten. Diese äußern sich wie folgt:

  • Schneller Fieberanstieg
  • Erbrechen
  • Luftnot
  • Kopfschmerzen
  • Massive Gerinnungsstörungen mit starken Blutungen z.B. in Haut- und Schleimhäuten, Nasenbluten, Magen-Darm-Trakt-Blutungen mit Bluterbrechen
  • Zudem: Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps – in der Regel zwei bis sechs Tage nach Beginn der Krankheit

Eine Infektion mit dem Dengue-Virus wird in der Regel über das Blut durch den Nachweis der Erreger und von gezielt gegen Dengue-Viren gerichteten Antikörpern festgestellt. Eine Behandlung begrenzt sich bislang nur auf die Linderung der Symptome. Auch gibt es noch keinen Impfstoff gegen das Virus.

Coronapandemie als „menschengemachte Katastrophe“

Neben dem Dengue-Virus gehört laut Prachter auch die Verbreitung des Coronavirus zu den „menschengemachten Katastrophen“. „Sars-CoV-2 konnte sich nur deshalb so stark verbreiten, weil wir immer tiefer in Bereiche vordringen, in denen Tiere leben, mit denen der Mensch zuvor kaum in Berührung kam.“ Viele Wissenschaftler halten es für wahrscheinlich, dass es sich bei Covid-19 um eine Zoonose handelt – eine Infektionskrankheit, die zwischen Tier und Mensch in beide Richtungen übertragen werden kann.

Menschen engen Lebensraum der Tiere ein

Wie der Wissenschaftler äußert, sei vor allem der enge Kontakt zu den Tieren Auslöser der Pandemie: „Wenn man den Lebensraum für Tiere immer weiter einengt, kommt der Mensch zunehmend in Kontakt mit den bei ihnen vorkommenden Krankheitserregern.“ Als Beispiel nennt er die bei Schimpansen und Gorillas vorkommenden Vorläufer von HIV. „Viren, die auf den Menschen übertragen werden, können sich durch Mutationen an diesen neuen Wirt anpassen.“

„Wir dringen immer weiter in natürliche Bereiche vor“, so Plachter. „Die dort lebenden Tiere werden verdrängt und kommen dann wie Wildschwein und Fuchs in unsere Städte.“

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