Overwiening fordert „verlässliche politisch-rechtliche Rahmenbedingungen“

In der kommenden Woche werden die Apotheken in Deutschland erstmals eine neue Aufgabe übernehmen: die Belieferung der Arztpraxen mit Comirnaty. Damit das Projekt Impfen in der Fläche gelingen kann, forderte ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening heute vor Journalisten in Berlin „verlässliche politisch-rechtliche Rahmenbedingungen“ ein.

Am Dienstag nach den Osterfeiertagen erwarten viele Apotheken die erste Lieferung Comirnaty von ihrem Großhändler. Auch wenn manche Kolleg:innen in den sozialen Medien von drastischen Kürzungen ihrer Bestellung berichten, läuft das Projekt Impfen in den Arztpraxen nun an. Rund 940.000 Impfdosen stehen bereit für die Verteilung in der kommenden Woche, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute vor Journalisten in Berlin. Zunächst wird nur das Präparat von Biontech/Pfizer an die Praxen rausgehen. In Kalenderwoche 16 sollen dem Minister zufolge einige Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca hinzukommen, ab Kalenderwoche 17 wird demnach auch das Mittel von Johnson & Johnson in die Fläche gebracht werden.

Mit Comirnaty erreicht die Praxen also zunächst ein Impfstoff, dessen Handling keineswegs trivial ist: Im Gegensatz etwa zur Vakzine von AstraZeneca, die seit Kurzem unter dem Namen Vaxzevria vertrieben wird, muss das Präparat von Biontech/Pfizer zunächst in den Arztpraxen rekonstituiert werden. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, räumte ein, dass „AstraZeneca vom Handling einfacher“ sei. Dafür sei bei der Vakzine des britisch-schwedischen Herstellers wegen der Meldungen über Hirnvenenthrombosen als seltene Nebenwirkung die Zuordnung zu den Impflingen vergleichsweise schwierig.

Freitag: Kontingentierung kein Problem für Großhändler

Mit Blick auf den Impfstart in den Arztpraxen machte Gassen dennoch Hoffnung auf einen reibungslosen Ablauf – ebenso wie ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening und Phoenix-Vorstandsmitglied Marcus Freitag. Der Zeitplan sei zwar sportlich und die Anforderungen hoch, sagte Freitag in der Bundespressekonferenz. Den vollversorgenden pharmazeutischen Großhandel stelle das aber vor keine großen Schwierigkeiten. Auch mit Kontingentierung und Verteilschlüsseln, die vom Großhandel umzusetzen sind, habe man Erfahrung „zum Beispiel durch Pneumovax“.

Overwiening kündigte an, die Apotheken „werden für eine reibungslose Impfstofflogistik sorgen“. Sie regte aber an, das „strenge Regime“, wie es jetzt zum Beispiel in puncto Dokumentation für Comirnaty etabliert wurde, gleichermaßen für alle COVID-19-Impfstoffe anzuwenden. Es könne problematisch werden, wenn für die unterschiedlichen Präparate verschiedene Regeln für die Apotheken gelten würden.

Wenn sich alle Beteiligten an die strengen Vorgaben hielten, werde „das Impfen in den Arztpraxen gut an- und ablaufen“, sagte Overviening. Nötig hierfür seien jedoch zwei Dinge: eine „verbindliche und verlässliche interprofessionelle Zusammenarbeit sowie verbindliche und verlässliche politisch-rechtliche Rahmenbedingungen“.

Vertrauensverlust nach Masken-Debakel?

Dass die ABDA-Präsidentin auch vom Bundesgesundheitsminister Verlässlichkeit einfordert, könnte daran liegen, dass sich die Apotheker diesbezüglich erst kürzlich von Spahn schmerzlich im Stich gelassen gefühlt hatten. Nachdem er für seinen selbst festgelegten Erstattungspreis von 6 Euro inklusive Umsatzsteuer je Maske, die Offizinen im Zuge der Coronavirus-Schutzmaskenverordnung ausgeben sollten, öffentlich in die Kritik geraten war, kürzte er die Vergütung für die Apotheken kurzerhand um etwa ein Drittel auf 3,90 brutto. Overviening sprach seinerzeit in einem Videostatement von einem „Vertrauensverlust“.

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