Millionen Bürger hoffen nun auf schnellen Impftermin – doch Frust ist vorprogrammiert

Mit dem Wegfall der Impfpriorisierung hoffen viele Bürger nun auf einen raschen Impftermin. Doch daraus wird nichts – wegen Impfstoffmangel und Priorisierungen der Zweitimpfungen. Das bringt Impfzentren und Hausärzte in die Bredouille. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Der 7. Juni ist ein Datum, das sich viele Deutsche mit einem roten Stift im Kalender markiert haben dürfen. Schließlich fällt am heutigen Montag die Impfpriorisierung; alle Bürger können sich unabhängig ihres Alters, Berufs und ihrer Vorerkrankungen gegen Corona impfen lassen.

Doch gleichzeitig ist der 7. Juni ein Tag, dem Städte und Gemeinden seit Wochen mit Magenschmerzen entgegensehen. Nach wie vor ist der Impfstoff knapp, die vorhandenen Dosen reichten bisher nicht einmal für alle bislang Impfberechtigten aus. Auf Grund der wegfallenden Impfpriorisierung drängen mehr Menschen denn je auf einen Impftermin.

Impfpriorisierung fällt – „Enttäuschung und Frust vorprogrammiert“

„Enttäuschung und Frust sind dabei allerdings vorprogrammiert“, sagt Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, zu „RP Online“. Immerhin warte noch rund die Hälfte der Bevölkerung auf eine Impfung. Wegen des Impfstoffmangels würden aber nur die wenigsten einen Termin ergattern – ein Umstand, der viele Impfzentren und Hausarztpraxen in Bedrängnis bringt. dpa/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB Corona-Impfkampagne: Ab Ende März, Anfang April sollen auch die Haus- und Fachärzte mitimpfen.

„Es ist natürlich eine enorme Belastung, dieser Anzahl an Anfragen und dem teilweise bestehenden Unverständnis, jetzt nicht gleich dran zu sein, ausgesetzt zu sein“, sagt Jana Husemann, Vorsitzende des Hamburger Hausärzteverbandes, zur „MOPO“.

Einige Patienten würden ihren Unmut sogar an den medizinischen Fachkräften auslassen. „Der Ton wird rauer“, sagt sie.

Experte meint: Bis Ende Juni werden kaum Termine für Corona-Erstimpfungen vergeben

Dass sich die Lage nach anfänglichen organisatorischen Schwierigkeiten bald entspanne, sei wegen des Zurückhaltens von Impfdosen für die vielen momentan anstehenden Zweitimpfungen unwahrscheinlich, prognostiziert Landsberg.

  • Alle News zur Corona-Krise lesen Sie im Live-Ticker von FOCUS Online

„Frust und Enttäuschung werden sich noch verschärfen, da bis Mitte Juni – eventuell sogar bis Ende Juni – zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen keine Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung stehen werden“, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds zu „RP Online“.

Vereinbarung von Impfterminen wegen unregelmäßigen Lieferungen erschwert

Doch auch die unregelmäßigen wöchentlichen Impfstofflieferungen erschweren die Situation zusätzlich, moniert Silke Kretzschmar, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Arbeitsmediziner und freiberuflicher Betriebsärzte.

„Meine Lieferapotheke hat mir am 2. Juni mitgeteilt, dass ich am 7. Juni 102 Impfdosen geliefert bekomme, 150 Dosen hatte ich bestellt. Wie viel Impfstoff ich in der 24. Kalenderwoche geliefert bekomme, erfahre ich am 9. Juni“, erklärt sie im Gespräch mit „RP Online“. Das sei nicht nur logistisch, sondern auch im Hinblick auf die Planung eine Herausforderung.

Die Vereinbarung von Impfterminen erfolgt so scheinbar mehr auf Zuruf: Wer wann und wie geimpft werden kann, lässt sich so augenscheinlich nur spontan entscheiden. Vor dem Hintergrund der wegfallenden Impfpriorisierung und der hohen Nachfrage von Impfterminen ist das eine wenig effiziente Lösung.

„Durch unerfüllbare Erwartungshaltung unter Druck gesetzt“

An dieser misslichen "Lose-Lose"-Situation seien nach Einschätzung von Husemann vor allem die politischen Entscheidungsträger schuld. „Im Grunde werden wir als Hausarztpraxen durch eine von der Politik hervorgerufene, aber nicht zu erfüllende Erwartungshaltung seitens der Patientinnen und Patienten enorm unter Druck gesetzt“, sagt sie zur „Mopo“. Foto: AP Eine junge Frau wird in Bukarest mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft. Die britischen Behörden empfehlen seit Mittwoch, den Covid-19-Impfstoff wenn möglich nur an Über-30-Jährige zu geben.

Nach Auffassung von Landsberg sei es nun an den Volksvertretern, die Wogen zu glätten. „Es ist jetzt die Aufgabe der Politik, immer wieder für die Impfung, aber auch für Geduld und Verständnis bei den Bürgerinnen und Bürgern zu werben“, sagt er. In diesem Zuge müssten die Politiker auch gegen das „Impfstoff-Bashing“ vorgehen. Dies führe dazu, dass einige Bevölkerungsgruppen wie die Über-60-Jährigen gewisse Vakzine, etwa AstraZeneca, aus Angst ablehnen, obwohl die Gefahr von Nebenwirkungen bei ihnen sehr gering sei.

Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes ruft deswegen zum Zusammenhalt in der Gesellschaft auf. „Die erfolgreiche Pandemiebekämpfung setzt Solidarität aller voraus, daher sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, noch ein wenig durchzuhalten“, so Landsberg.

Ein simples Getränk schützt vor Herzinfarkt, Müdigkeit und Gefäßschäden

FOCUS Online Ein simples Getränk schützt vor Herzinfarkt, Müdigkeit und Gefäßschäden

Quelle: Den ganzen Artikel lesen

Zusammenhängende Posts