Kein erhöhtes Risiko für Gürtelrose nach COVID-Impfung

Einige Studien und Fallberichte haben im Laufe der Corona-Pandemie darauf hingedeutet, dass COVID-19 den Ausbruch eines Herpes Zosters begünstigen könnte. Auch wenn das absolute Risiko, an Herpes Zoster zu erkranken, weiterhin gering war und ist – manche Patient:innen könnte der Gedanke daran von einer COVID-19-Impfung abgehalten haben. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie betont jetzt aber auf Basis einer neuen großen Studie, dass die COVID-19-Impfung nicht mit einer erhöhten Gürtelrose-Rate assoziiert ist.

„Die Sorge wegen vermeintlicher Nebenwirkungen hält viele Menschen noch immer von der Impfung gegen SARS-CoV-2 ab“, gibt aktuell die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zu bedenken. Dies sei aber nicht gerechtfertigt, auch nicht im Hinblick auf eine mögliche impfassoziierte Herpes-Zoster-Erkrankung (HZ, Gürtelrose). Eine große Auswertung von über 2 Millionen Geimpften zeige jetzt nämlich klar, dass die COVID-19-Impfung nicht mit einer erhöhten Rate von Herpes Zoster assoziiert ist.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hatte sich bereits im September dieses Jahres des Themas angenommen, wie die DAZ berichtete. Eine Sichtung der Fallberichte und bis dahin existierenden Studien hatte die Fragestellung nicht abschließend klären können. Der AkdÄ-Autor vermutete jedoch, dass „die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für eine Impfung gegen HZ bei älteren Menschen und Risikopatienten“ ein Grund dafür sein könnte, dass das PEI in Deutschland bis dato kein Sicherheitssignal erkennen konnte.

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Erhöht eine COVID-19-Impfung das Risiko für Herpes Zoster?

Die DGN betont nun, dass Herpes Zoster prinzipiell jeder bekommen kann, der zuvor schon einmal Windpocken hatte. In der am 16. November erschienenen großen retrospektiven Kohortenstudie der University of California, San Francisco, seien jetzt Gesundheitsdaten der US-amerikanischen OLDW-Datenbank („Optum Labs Data Warehouse“) von 2.039.854 gegen SARS-CoV-2 geimpften Menschen analysiert worden (BioNTech/Pfizer, Moderna oder Johnson-Johnson, in der Zeit 12/2020 – 6/2021). Das mittlere Alter der Geimpften betrug 43,2 ±16,3 Jahre, 50,6 Prozent waren weiblich. Von der gesamten Kohorte wurden schließlich 1.451 Personen mit einer Herpes-Zoster-Diagnose auf die Häufigkeit von Herpes-Zoster-Diagnosen im „Risikointervall“ (30 Tage nach der ersten oder zweiten Impfdosis) untersucht. Das Ergebnis wurde mit späteren Intervallen verglichen („Kontrollintervall“ 30–60 Tage nach der Impfung). „Im Ergebnis war die COVID-Impfung nicht mit einem erhöhten Risiko für eine VZV-Reaktivierung assoziiert (Inzidenzratenverhältnis IRR 0,91; p=0,08)“, erklärt die DGN. Und das, obwohl es laut den Autor:innen der Studie durchaus einen plausiblen Mechanismus geben würde, durch den die mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffe zu einer Herpes-Zoster-Infektion führen könnten. Demnach stimulieren mRNA-Impfstoffe den Toll-like-Rezeptor-Signalweg, der an der Latenz und Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus beteiligt ist. 

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„Auf der Oberfläche von beispielsweise Makrophagen oder dendritischen Zellen und in der Membran von Endolysosomen befinden sich Rezeptoren, die spezifische pathogenassoziierte Muster (pathogen-associated molecular patterns; PAMP) erkennen und binden. Im Menschen sind zehn verschiedene Toll-like-Rezeptoren (TLR) bekannt, die durch bestimmte Moleküle aktiviert werden. Beispielsweise sitzt TLR4 in der Cytoplasmamembran von dendritischen Zellen und wird von Lipopolysacchariden gramnegativer Bakterien aktiviert. Demgegenüber sind TLR7, TLR8 und TLR9 in der endolysosomalen Membran lokalisiert und erkennen virale oder bakterielle RNA bzw. bakterielle DNA.“ 

[Quelle: DAZ 1/2022]

Zusätzlich wurden die Ergebnisse aber auch mit dem Herpes-Zoster-Risiko nach Influenza-Impfung aus zwei historischen Kohorten vor der Pandemie (1/2018 – 12/2019) und in der frühen Pandemie-Phase (3/2020 – 11/2020) verglichen. Auch bei dieser Analyse habe sich kein erhöhtes Impfrisiko für Herpes Zoster nach COVID-19-Impfung gezeigt – verglichen mit der Influenza-Impfung.

„Demnach war eine Gürtelrose nach Corona-Impfung bei weitem nicht so häufig, wie es anfangs in der Berichterstattung den Anschein hatte“, schlussfolgert Professor Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

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„Auch andere vermeintliche Impfkomplikationen, über die es immer wieder Fallberichte gab (z. B. Myokarditis oder Guillain-Barré-Syndrom), wurden inzwischen in großen Studien evaluiert“, erklärt die DGN weiter. Eine Analyse von über 5 Millionen vollständig geimpften Personen aus Israel habe gezeigt, dass es bei 182.605 geimpften Adoleszenten zu 20 Myokarditiden kam, von denen nach CDC-Kriterien („Center for Disease Control“) neun Fälle als wahrscheinlich bis sicher eingestuft wurden. Die Inzidenz habe somit 4,8/100.000 Geimpfte betragen. „Die Verläufe waren mild, die stationäre Behandlung lag bei median 2–4 Tagen und der Follow-up zeigte auch nach sechs Monaten eine gute Prognose“, erläutert die DGN.

Und auch in Bezug auf das Guillain-Barré-Syndrom gebe es Entwarnung: „Eine epidemiologische Studie aus Mexiko (12/2020 – 10/2021) ergab bei 81.842.426 Impfdosen (mit sieben SARS-CoV-2-Impfstoffen) eine GBS-Inzidenz von 1,19/1.000.000“, schreibt die DGN. Die GBS-Inzidenz sei damit niedriger als vor der Pandemie (2019) mit 7,1/1.000.000 Personenjahren. 

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Professor Berlit erklärt zusammenfassend: „Menschen, die wegen extrem seltener möglicher Nebenwirkungen Angst vor der COVID-Impfung haben, müssen sich bewusst machen, dass alle diese Komplikationen viel häufiger bei der SARS-CoV-2-Infektionen auftreten. Dies wurde inzwischen auch für viele andere potenzielle, auch neurologische Nebenwirkungen gezeigt.“ Die DGN empfiehlt daher, die Impfangebote entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts anzunehmen.

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