Hat mein Kind Long-Covid? Auf welche Symptome Eltern achten sollten

Nur selten erkranken Kinder schwer, wenn sie sich mit Corona infizieren. Dennoch leiden einige danach an Long-Covid-Symptomen. Auf welche Anzeichen Eltern achten sollten, zeigt jetzt eine neue Studie.

Ist die Rede von Long-Covid, denkt kaum jemand an Kinder. Immerhin erkranken diese nur in wenigen Fällen schwer nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Allerdings tauchen immer wieder auch bei den Jüngsten Symptome nach einer Infektion auf.

Aus diesem Grund haben es sich dänische Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht, für Long-Covid-Anzeichen bei Kindern zu sensibilisieren. Sie untersuchen in einer groß angelegten Studie, der „Long Covid Kids-Survey“, wie häufig diese oder verwandte Krankheiten auftreten. Das Ziel: frühere Diagnosen und damit bessere Therapien.

Im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichten die Forscher nun Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Sie analysierten dafür die Daten von rund 11.000 Kindern zwischen null und 14 Jahren. Sie alle hatten zwischen Anfang 2020 und Juli 2021 einen positiven Corona-Test erhalten.

Zum Vergleich zogen die Forscher eine Kontrollgruppe heran, die rund 33.000 Kinder darin waren zumindest nicht wissentlich mit Corona infiziert. Die Eltern aller Kinder beantworteten dann Fragen nach klassischen Long-Covid-Symptomen, sowie nach ihrer allgemeinen Gesundheit und ihrem Wohlbefinden. Auch Fragen zu Ängsten und zur Lebensqualität stellten die Forscher.

Stufen von Covid

Viele verwechseln die Begriffe „Long-Covid“ und „Post-Covid“. Laut Definition des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) gilt:

Akute Covid Erkrankung: Symptome und akute Erkrankung bis zu vier Wochen nach der Infektion.

Weiterbestehende Covid-Erkrankung: Symptome vier bis zwölf Wochen nach der Infektion.

Post-Covid: Symptome ab zwölf Wochen nach der Infektion.

Long-Covid: Symptome ab vier Wochen nach der Infektion. Also der Zeitraum nach der akuten Covid-Erkrankung, dieser schließt die weiterbestehende Covid-Erkrankung und Post-Covid ein.

Die häufigsten Long-Covid-Symptome bei Kindern

Dabei kamen die Wissenschaftler zu folgendem Ergebnis: In beiden Gruppen tauchten Symptome auf. Das heißt also, dass Long-Covid nicht ausschließlich für solche Krankheitsanzeichen verantwortlich ist. Sie treten auch durch andere Krankheiten ausgelöst auf. Oder aber, die Kinder waren infiziert, wussten jedoch nichts davon.

Generell zeigen die Daten aber: Kinder mit einer bestätigten Infektion hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe mit höherer Wahrscheinlichkeit anhaltende Symptome. Die am häufigsten berichteten Symptome bei Kindern zwischen null und drei Jahren waren

  • Stimmungsschwankungen
  • Hautausschläge
  • Bauchschmerzen
  • Husten und
  • Appetitlosigkeit.

Am häufigsten berichteten Kinder zwischen vier und elf Jahren von

  • Stimmungsschwankungen
  • Erinnerungs- oder Konzentrationsschwierigkeiten und
  • Hautausschlägen.

Kinder zwischen zwölf und vierzehn Jahren litten vor allem an

  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen und
  • Gedächtnis- oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Infizierte Kinder meldeten vermehrt Long-Covid-Symptome

Kinder, die sich nachweislich infiziert hatten, nannten also häufiger diese anhaltenden Symptome. 

Die erhöhten Raten mögen im ersten Moment gering erscheinen. Laut Experten könnten sie jedoch erhebliche Auswirkungen haben. „Die anhaltend hohe Rate der Covid-19-Übertragung in vielen Ländern wird dazu führen, dass eine beträchtliche Anzahl von Kindern an einer Krankheit leidet, die sie sehr schwächen kann und für die es derzeit keine Behandlung gibt“, sagte etwa Virologe Jeremy Rossman von University of Kent dem britischen „Science Media Center“ . Darüber hinaus könne die Rate der von Long-Covid betroffenen Kinder in Wahrheit höher sein, als in der Studie berichtet werde. Denn viele kleine Kinder hätten seltener Symptome, Infektionen könnten bei ihnen daher leicht übersehen werden.

Experten: Long-Covid bedarf mehr Forschung

„Diese wichtige Studie unterstreicht die dringende Notwendigkeit der Long Covid-Forschung und der kontinuierlichen Prävention von Covid-19-Infektionen bei Kindern und Erwachsenen“, resümiert Rossman.

Zwar kommt Long-Covid nach ersten Daten bei den jetzt vorherrschenden Omikron-Varianten eher seltener vor. Im Forschungszeitraum der dänischen Wissenschaftler waren diese noch nicht dominant. Relevant bleibt die Krankheit aber weiterhin. Jüngste Studien hatten laut Rossman, dass die Rate der Long-Covid-Krankheit weltweit bis zu 43 Prozent betragen könne.

 „Long-Covid muss anerkannt werden“, betonen auch die Studienautoren. Multidisziplinäre Long-Covid-Kliniken für Kinder könnten ebenfalls künftige Therapien verbessern.

Leiden Kinder eher unter der Pandemie, als an Corona selbst?

Spannend ist Experten zufolge allerdings ein weiteres Ergebnis: Ältere Kinder, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, hatten in der Regel eine höhere Lebensqualität und niedrigere Angstwerte als die der Kontrollgruppe. „Dies ist eine weitere Bestätigung dafür, dass Kinder zwar glücklicherweise widerstandsfähig gegen die direkten Auswirkungen von Covid sind, sie jedoch erheblich von den indirekten Auswirkungen der Pandemie und angstauslösenden Medienbotschaften betroffen sind“, bewertet Kinder- und Frauenmediziner Michael Absoud vom Kings College London beim britischen „Science Media Center“ dieses Ergebnis.

Es sei wahrscheinlich, dass die Gesellschaft die längerfristigen Auswirkungen der Pandemie und nicht des Virus auf alle Kinder und die dringende Notwendigkeit der Wiederherstellung von Gesundheits- und Wohlbefindensdiensten unterschätzt habe.

Neue Varianten alarmieren Epidemiologen: „Virus ist fit geworden“


Quelle: Den ganzen Artikel lesen

Zusammenhängende Posts