Geplantes Gesetz: Krankenkassen sollen Nikotinpflaster für Extrem-Raucher bald bezahlen

Von ihrer Sucht wegzukommen, fällt vielen Rauchern schwer – zumindest in einem Punkt soll es ihnen nun leichter gemacht werden. Denn am Geld soll das Aufhören zukünftig seltener scheitern. Medikamente für einen Tabak-Ausstieg sollen nach Plänen der großen Koalition bald von der Kasse bezahlt werden können.

"An keiner anderen Droge sterben weltweit und auch hier in Deutschland mehr Menschen, als an den Folgen des Rauchens", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) der DPA nach einem entsprechenden Beschluss des Gesundheitsausschusses. "Wir werden daher noch in dieser Legislaturperiode dafür sorgen, dass die Unterstützung beim Rauchstopp noch besser, noch zielgerichteter, noch einfacher wird."

Suchtmediziner Anil Batra


Experte erklärt, wie man es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören

Anspruch bei „schwerer Tabakabhängigkeit“

Konkret sollen gesetzlich Versicherte, bei denen "eine schwere Tabakabhängigkeit" festgestellt wurde, Anspruch auf eine einmalige Versorgung mit Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung bekommen. Welche Medikamente unter welchen Voraussetzungen in Therapieprogrammen verordnet werden können, soll der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen festlegen. Eine Folge-Versorgung mit solchen Mitteln soll frühestens nach drei Jahren möglich sein. Die vom Ausschuss angenommenen Pläne sollen an ein anderes Gesetz angehängt werden, das der Bundestag am Freitag beschließen will.

"Tabakentwöhnung wird zur Kassenleistung", sagte Unionsfraktionsvize Stephan Stracke (CSU). Dies sei ein fundamentaler Wechsel in der Drogenpolitik. "Damit erleichtern wir rund drei Millionen schwer abhängigen Raucherinnen und Rauchern den Ausstieg aus einer Droge, die oft zu schweren Erkrankungen führt." Im Rahmen anerkannter Programme bekämen sie einen Anspruch auf Tabakentwöhnung, etwa mit Nikotinpflastern und bestimmten Arzneimitteln. Die Drogenbeauftragte Ludwig sagte: "So hilft der Rauchausstieg nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Geldbeutel."

Diese Urteile sollten Raucher kennen – bis zu 250.000 Euro Strafe drohen

Die Möglichkeit zur Kostenübernahme soll auch darauf zielen, dass es viele einkommensschwächere Raucher gibt – und einen weiteren Anreiz setzen, dass mehr Abhängige nach Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin einen ernsthaften Anlauf für eine Ausstiegsbehandlung machen. Dazu zählen zum Beispiel Programme mit Nikotin-Ersatzpräparaten und speziellen Medikamenten, auch verbunden mit einer Verhaltenstherapie. Insgesamt unternimmt nach Studiendaten nur jeder fünfte Raucher in Deutschland überhaupt einen Ausstiegsversuch pro Jahr.

Details der Krankenkassenleistung noch in Diskussion

Rauchen und auch Alkohol richten nach wie vor mit Abstand die größten Gesundheitsschäden in Deutschland an – auch wenn der Konsum zuletzt sank. Jährlich sterben nach Angaben der Drogenbeauftragten rund 127.000 Menschen an den Folgen von Tabak-Konsum. Ludwig will mit einer kürzlich gestarteten Aufklärungskampagne von Bundesregierung und Gesundheitsakteuren auch langjährige Raucher stärker zum Aufhören ermuntern, selbst wenn sie seit 20 oder 30 Jahren zu Zigaretten greifen. Auf einer entsprechenden Webseite sind "Rauchstopp-Angebote" mit Hilfsmöglichkeiten gebündelt zu finden – und auch ein "Ersparnisrechner" als Motivation.

Details der Kostenübernahme für Medikamente zum Tabak-Ausstieg sollen noch genauer geregelt werden. Unter dem Anspruch soll zunächst ein Entwöhnungsversuch mit einem Programmdurchlauf zu verstehen sein, wie es in der Begründung des Koalitionsantrags heißt. Der Gemeinsame Bundesausschuss soll dann auch noch weitere Voraussetzungen regeln: etwa zu Anforderungen an die Ausstiegsprogramme, für die Arzneimittel verordnet werden können – und wie bestimmt wird, dass jemand eine "starke Tabakabhängigkeit" hat.

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