Geld ist nicht alles: Was uns im Beruf wirklich antreibt

Wir haben immer weniger Lust auf unsere Arbeit – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der internationalen Unternehmensberatung Kincentric. Die Daten von 12 Millionen Arbeitnehmern aus 125 Ländern weltweit zeigen, dass die Befragten im ersten Quartal 2022 nur zu 45 Prozent motiviert waren, ihrer Arbeit nachzugehen. Die Demotivation überwiegt also deutlich, vor allem in Deutschland. Denn: Wir führen das globale Ranking der unmotivierten Arbeitnehmer an – trotz jahrzehntelang etablierter Leistungsgesellschaft.

Ein Grund dafür ist der aktuelle Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Während immer mehr fleißige Baby-Boomer in Rente gehen, strömt die freiheitsbewusste Generation Z nach und nach in die Arbeitswelt. Damals war klar: Das Gehalt reicht für Heim und Garten. Heute ist alles unsicher geworden: Die Rente, die Wohnsituation und der Weltfrieden. Deshalb wollen die jungen Leute was vom Leben haben, statt nur Schichten zu schieben. Gerade Berufseinsteiger legen großen Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance. Die Randstad-Studie "Workmonitor 2022“ zeigt, dass 41 Prozent der Befragten zwischen 18 und 25 Jahren ihren Job sogar kündigen würden, wenn er sich nicht mit ihrem Privatleben vereinbaren ließe. Zum Vergleich: In der Altersgruppe ab 50 Jahren ist nur jedem Vierten das private Glück wichtiger als die Karriere.

Aber egal, ob Baby-Boomer oder Generation Z: Wer Lust auf eine neue Herausforderung hat, der hat aktuell gute Karten auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass es im ersten Quartal 2022 landesweit rund 1,7 Millionen offene Stellen gab. Motivierte Mitarbeiter werden also in vielen Branchen gesucht. Bleibt die Frage, warum offenbar trotzdem so viele Menschen lustlos ihrem Job nachgehen.

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Motivationsproblem: Geld darf nicht der einzige Hebel sein

Wenn es um Mitarbeitermotivation geht, ist der erste Hebel oft das Gehalt. Und keine Frage: Geld brauchen wir alle – zum Wohnen, zum Essen und zum Leben. Nicht umsonst gibt es regelmäßig Warnstreiks von Mitarbeitern in unterbezahlten Branchen. Eine Gehaltserhöhung kann also ein erster Schritt sein, um die Motivation zu steigern. Langfristig allerdings sollte es nicht der einzige Grund für die Tätigkeit sein. Eine Studie der Frankfurt School of Finance zeigt, dass eine wertschätzende Kommunikation im Arbeitskontext die Leistung eher steigern kann als mehr Geld. Auch Buchautor Florian Becker sagt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: "Es wäre wirklich sehr traurig, wenn den Unternehmen nichts Besseres einfällt, als Leute mit Geld motivieren zu wollen."

Geld ist also schon mal nicht der Treibstoff, der uns im Job auf Hochtouren bringt. Aber das Gehalt sorgt dafür, dass der Motor überhaupt anspringt. Denn wenn wir chronisch unterbezahlt sind und das Gehalt nicht einmal für die kleinen Lebensträume reicht, dann ist das der optimale Nährboden für Frust und Sorgen. Und es sollte nicht überraschen, dass die Motivation damit in weite Ferne rückt. Das Gleiche passiert, wenn wir etwas nur tun, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen. Oder um eine Bestrafung zu vermeiden oder eine Belohnung zu bekommen. Warum? Weil hier externe Faktoren im Spiel sind, die unser Verhalten beeinflussen. Das Ganze nennt man auch extrinsische Motivation. Zugegeben, die lässt sich im Arbeitsalltag nicht immer vermeiden, denn jeder von uns muss mal eine unbeliebte Aufgabe erledigen. 

Intrinsische Motivation: Was wir aus reiner Freude tun, macht uns glücklich

Wer nachhaltig zufrieden in seinem Job sein möchte, der braucht deshalb auch noch einen anderen wichtigen Faktor: Die intrinsische Motivation. Die ist zum Beispiel dann im Spiel, wenn wir Aufgaben aus purer Neugierde tun oder weil wir Lust auf eine neue Herausforderung haben. Intrinsisch sind also die Dinge, die wir aus einem inneren Antrieb heraus tun, ohne etwas dafür zu erwarten. Es sind Tätigkeiten, die uns wirklich Freude bereiten. Ein Beispiel: Wenn wir ein Bild malen, dann tun wir das aus Freude am Malen und nicht, weil wir das Gefühl haben, dass es von uns erwartet wird oder dass wir damit berühmt werden. All unsere intrinsischen Bedürfnisse fußen auf den psychologischen Grundbedürfnissen Sicherheit, Zugehörigkeit, Ansehen und Selbstverwirklichung.

Werte, die auch im Arbeitskontext immer wichtiger werden. So konnten verschiedene Studien belegen, dass intrinsisch motivierte Arbeitnehmer deutlich mehr Einsatzbereitschaft zeigen und insgesamt gesünder und glücklicher sind. Das bestätigt auch die bereits erwähnte Randstad-Studie. Demnach hat Glück die höchste Priorität bei den jüngsten Mitarbeitern, 49 Prozent der Befragten achten zudem darauf, ob sie mit den Werten ihres potenziellen Arbeitgebers übereinstimmen. Eine Umfrage des Personaldienstleisters "Manpower-Group“ bestätigt zudem, dass zwischenmenschliche Begegnungen im Arbeitsalltag die Motivation steigern können.

Mitarbeitermotivation: Raum für Wachstum und Flexibilität schaffen

Intrinsische Motivation kann also der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit im Job sein. Und keine Sorge, falls bei Ihnen aktuell die äußeren Reize noch im Vordergrund stehen – jeder von uns kann seine intrinsische Motivation trainieren. Der erste Schritt ist hier eine zunächst simple Frage: Was möchten Sie wirklich tun? Wer sie beantworten kann, der kennt die Richtung, in die er gehen muss. Wer nicht, der sollte in sich gehen und nachforschen, welche Tätigkeiten er für andere tut – und welche nur für sich. Sie werden merken: Oft tun wir weniger intrinsische Dinge, als wir denken – im privaten und beruflichen Bereich. 

Um die intrinsische Motivation zu steigern, können wir uns zudem vor Augen führen, was konkret uns an unserem Job Spaß macht und welchen Sinn wir darin sehen. Die Antwort darauf ist höchst individuell. Es hilft außerdem, neugierig zu bleiben und sich um Weiterbildungen oder neue Aufgaben zu bemühen. Und das Wichtigste: Suchen Sie sich Gleichgesinnte an der Arbeit, mit denen Sie sich auch mal austauschen können. 

Vor allem im Arbeitskontext brauchen wir aber auch passende Rahmenbedingungen. Die aktuelle Studie "Bleibebarometer Öffentlicher Dienst“ nennt vier Anforderungen von Beamten an ihre Arbeitgeber: Bessere Bezahlung, höhere Flexibilität, bessere Ausstattung und Wertschätzung. Wünsche, die nicht nur im Öffentlichen Dienst von Belang sind. Wer motivierte Arbeitnehmer möchte, der sollte ihnen Raum für Neugierde, Wachstum und flexible Arbeitszeitgestaltung geben und auch mal ehrlich "Danke“ sagen. Und natürlich sollte auch das Gehalt stimmen. Vielleicht werden wir dann auch als Gesellschaft im nächsten Jahr wieder etwas motivierter ans Werk gehen.

Quelle: Unternehmensberatung Kincentric, Studie; Randstad "Workmonitor 2022"; "Bleibebarometer Öffentlicher Dienst"

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