Forscher: Essen schmeckt besser, wenn man mit geöffnetem Mund isst

Wie fühlt sich die Vorstellung für Sie an, dass alle Menschen um Sie herum laut schmatzend und mit offenem Mund essen? Sicherlich löst diesen Bild im Kopf keine Freude aus – eher einen Würgereiz oder zumindest Ekel. Ungefähr genauso hat sich das Betrachten eines Kunstwerks bei der Documenta 2007 angefühlt – es zeigte einen geöffneten Mund mit zerkautem Essen. Aber um Fotografie und Kunst soll es hier gar nicht gehen. Sondern darum, dass Sie Ihre Tischmanieren getrost über Bord werfen können und es dem Künstler gleichtun – und mit geöffnetem Mund essen. Warum in aller Welt Sie das tun sollten? Ihnen wird ein ganz neues Geschmackserlebnis zuteil , das legt zumindest die Forschung der Oxford University nahe.

Professor Charles Spence ist ein experimenteller Psychologe an der Oxford University. Er beschäftigt sich in seiner Forschung unter andrem damit, wie unser Gehirn die Informationen von unseren verschiedenen Sinnen verarbeitet. Geht es nach ihm, sollten wir künftig mit den Lippen schmatzend und geöffneten Mund unsere Mahlzeiten verspeisen – das würde den Geschmack maximieren und uns ein neues Esserlebnis verschaffen.

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Wer mit geöffnetem Mund kaut, kann die Aromen besser aufnehmen

"Wir haben alles falsch gemacht", sagt der Forscher zum "Telegraph". Er führt aus: "Eltern vermitteln ihren Kindern Manieren und loben die Vorzüge des höflichen Kauens mit geschlossenem Mund. Dabei kann das Kauen mit geöffnetem Mund mehr flüchtige organische Verbindungen freisetzen, was zu unserem Geruchssinn und der allgemeinen Wahrnehmung beiträgt." Für alle, die es bisher nicht wussten: flüchtige organische Verbindungen wie Ester oder Ketone machen den Geschmack und die Aromen eines Gerichts aus.

Neue Freund:innen werden Sie sich in der Kantine sicherlich nicht machen, wenn Sie plötzlich mit geöffnetem Mund Ihr Mittagessen verspeisen. Aber immerhin schmeckt das Essen dann besser. Charles Spence erklärt, dass das Kauen mit geöffnetem Mund helfe, dass mehr aromatische Verbindungen den Nasenrücken erreichen. Sie setzen dort sogenannte olfaktorische sensorischen Neuronen in Gang, wodurch uns das Essen besser schmeckt. Und es gibt sogar noch einen weiteren Grund: "Wir mögen laute Speisen. Um das Knirschen eines Apfels, eines Kartoffelchips, einer Karottenstange, eines Crackers, eines Knäckebrots oder einer Handvoll Popcorn am besten zu hören, sollten wir unsere Manieren immer aufgeben und mit offenem Mund kauen."

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Kein Besteck: Am besten mit den Fingern essen

Wem dieses neue Geschmackserlebnis noch nicht genügt, sollte auch gleich sein Besteck aussortieren. Die beste Art zu essen – Sie ahnen es schon: mit den Händen. Das mag ja funktionieren, außer man möchte eine Suppe essen. "Unser Tastsinn ist auch entscheidend für unsere Wahrnehmung von Speisen am Gaumen. Die Forschung zeigt, dass das Gefühl in der Hand bestimmte Aspekte des Geschmackserlebnisses verändern oder hervorheben kann", so Charles Spence. Wer beispielsweise die glatte Textur eines Apfels spürt, bevor er oder sie hineinbeißt, wird diese Frucht mehr wertschätzen. "Das lässt sich auf das Gefühl ausdehnen, dass Salzkörner an den Fingern kleben, wenn man Pommes mit den Händen isst, oder die zuckerhaltigen Rückstände von Buttercreme an einer Hand, nachdem man ein Stück Geburtstagstorte in die Hand genommen und hineingebissen hat."

Falls Sie das als Kind gerne gemacht haben, es scheint genau richtig gewesen zu sein: "Während das Ablecken der Finger nach dem Essen mit den Händen in höflichen Kreisen nicht gerne gesehen wird, legen Untersuchungen nahe, dass wir in Betracht ziehen sollten, die Etikette für den größtmöglichen sensorischen Genuss abzuschaffen", meint Charles Spence. Also dann, guten Appetit!

Quellen: Telegraph, Guardian

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