Deutschland macht auf – doch die Altenheime zeigen, dass Pandemie noch nicht vorbei ist

Das Ende der Corona-Maßnahmen rückt in greifbare Nähe. Allerdings warnt das RKI jetzt vor verfrühten Öffnungen. Der Höhepunkt der Omikron-Welle sei zwar überschritten. Überstanden ist die Pandemie jedoch noch nicht – das zeigt der Blick in die höheren Altersgruppen.

In der Debatte um Öffnungsschritte mahnt das Robert-Koch-Institut (RKI) zu besonderer Rücksicht im Umgang mit gefährdeten Gruppen. Denn während die Inzidenz bundesweit im Durchschnitt derzeit sinkt, nehmen die Fälle bei den Risikogruppen gerade wieder zu. Das geht aus dem jüngsten Wochenbericht des Instituts hervor.

Fallzahlen in Alten- und Pflegeheimen steigen

Die Zahl der aktiven Ausbrüche in Alten- und Pflegeheime sei auf 414 gestiegen (Vorwoche: 373). 5226 Fälle seien in diesen Ausbrüchen übermittelt worden. In medizinischen Behandlungseinrichtungen blieb die Zahl der aktiven Ausbrüche „stabil, aber auf hohem Niveau“, schreibt das RKI.

Und es sind nicht nur die Einrichtungen, in denen die Fallzahlen zuletzt ansteigen. Allgemein melden viele Bundesländer in den vergangenen Wochen steigende Inzidenzen bei den über 60-Jährigen – der Altersgruppe, die als Risikogruppe für einen schweren Covid-Verlauf gilt.

Inzidenz laut RKI in der Kalenderwoche 6 (7. bis 13. Februar 2022)

  • bei den über 90-Jährigen bei 881,9 (Vorwoche: 702,5)
  • bei den 85- bis 89-Jährigen bei 550,4 (Vorwoche: 472,1)
  • bei den 80- bis 84-Jährigen bei 376,6 (Vorwoche: 299,4)
  • bei den 75- bis 79-Jährigen bei 309,9 (Vorwoche: 256,9)
  • bei den 70- bis 74-Jährigen bei 405,3 (Vorwoche: 341,5)

In all diesen Gruppen stieg die Inzidenz also deutlich an. In anderen, jüngeren Altersgruppen, steig sie hingegen nur leicht an oder nahm etwa bei 5 bis 14-Jährigen sogar ab. So stieg die bundesweite Inzidenz von Kalenderwoche 5 auf 6 etwa nur leicht von 1530,3 auf 1544,5.

Omikron-Welle kommt bei Älteren gerade erst an

Der Anstieg der Inzidenz in den älteren Altersgruppen war zuletzt also deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt. Und geht es nach Experten, könnte sich diese Entwicklung fortsetzen: „Die Omikron-Welle kommt gerade erst in der gefährdeten Altersgruppe an“, sagte etwa Intensivmediziner Uwe Janssens FOCUS Online. Die Intensivstationen könnten in den nächsten Wochen nachziehen. Der Mediziner warnte vor verfrühten Lockerungen.

  • Lesen Sie auch:Deutschlands Freedom Day hängt an der Klinik-Lage – dort steigen gerade die Zahlen

Ähnlich schätzt Mathematiker Kristan Schneider die gegenwärtige Lage ein. „Zu frühes Öffnen bringt die Gefahr mit sich, dass die Infektionszahlen wieder steigen“, sagte er FOCUS Online.„Wir sahen in den letzten Wochen einen starken Anstieg der Infektionen bei Jugendlichen, weil Maßnahmen an Schulen nicht hinreichend gegen Omikron schützen.“ Damit war zwar zunächst nur eine Nicht-Risikogruppe stark betroffen. Das startete aber Infektionsketten, die sich in der Gesamtbevölkerung weiterschleppen. Irgendwann erreichen diese Ketten auch die ungeimpften Senioren“, so der Mathematiker. Hier „schlummert die große Gefahr“, warnt er. Es wäre möglich, dass dann die Hospitalisierungen wieder ansteigen.

Experten rufen zum Schutz von Risikopatienten auf

Eugen Brysch, der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, forderte vor dem Hintergrund der geplanten Lockerungen in Deutschland einen konsequenteren Schutz der besonders gefährdeten Menschen in der Alten- und Krankenpflege. Er habe bisher nicht den Eindruck, dass die Fakten ausreichend in die Schutzstrategien einfließen: „Man muss sich die Grenzen der Impfung bewusst machen“, sagte Brysch und bezog sich etwa auf die auch bei dreifach Geimpften mögliche Ansteckung und Virus-Weitergabe.

Er wolle nicht gegen die Impfung argumentieren, sie bedeute immer noch Eigenschutz. „Aber die Strategie für vulnerable Gruppen muss testen, testen, testen sein.“ Auch Masken müssten weiterhin konsequent getragen werden.

„Erfolg der Corona-Maßnahmen ermöglicht Lockerungen und mehr Kontakte“, kommentiert auch das RKI bei Twitter. Aber: "Vulnerable Gruppen, zum Beispiel Ältere, müssen weiter vor Omikron geschützt werden." Deswegen seien insbesondere vor und bei Treffen mit gefährdeten Personen ein vollständiger Impfschutz mit Auffrischimpfung, Schnelltesten und die Einhaltung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen weiter von großer Bedeutung.

Gefahr der Pandemie ist noch nicht gebannt

RKI-Viziepräsident Lars Schaade sieht zwar den Zenit der Omikron-Welle überschritten, die Gefahr sei aber noch nicht gebannt. Gefährdete Menschen müssten weiter besonders geschützt werden, sagte er am Freitag. „Deshalb ist es wichtig, Schutzmaßnahmen in Krankenhäusern und Pflegeheimen weiter aufrechtzuerhalten.“

Schaade mahnte zu besonderer Vorsicht beim Kontakt mit gefährdeten Menschen. „Machen Sie vorher einen Test, auch wenn Sie geimpft oder genesen sind. Halten Sie Abstand, und wenn Sie sich drinnen treffen, tragen Sie am besten eine Maske und lüften reichlich“, betonte er. Zudem bekräftigte er den Appell, sich – falls noch nicht geschehen – dringend impfen zu lassen. Die Pandemie sei noch nicht vorbei, und Sars-Cov-2 werde nicht verschwinden, so Schaade.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mahnte ebenfalls vor Lockerungen, die über die von der Bund-Länder-Runde diese Woche vereinbarten Regeln hinausgehen. Der Höhepunkt der Omikron-Welle sei überschritten, sagte der SPD-Politiker am Freitag. Ein Wiederanstieg der Fallzahlen könne zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sicher ausgeschlossen werden. Die Entwicklung sei „noch nicht wirklich in sicheren Gewässern“. Lauterbach verwies auf den weiter hohen Anteil Ungeimpfter bei gefährdeten Menschen über 60 Jahre und die neue, wohl ansteckendere Omikron-Untervariante BA.2.

Immer mehr Kinder haben Corona: Arzt sagt, was Eltern zum Long-Covid-Risiko wissen müssen

Bayerischer Rundfunk Immer mehr Kinder haben Corona: Arzt sagt, was Eltern zum Long-Covid-Risiko wissen müssen

Quelle: Den ganzen Artikel lesen

Zusammenhängende Posts