Burn-On: Der schmale Grat zwischen Dauerstress und Burn-Out

Deutschland steht unter Stress. Aktuelle Studien zeigen, dass 64 Prozent der Deutschen mindestens gelegentlich gestresst sind, vor allem von ihrer Arbeit. Und jeder von uns kennt sie doch, diese Menschen, die von einem Termin zum Nächsten hetzen. Zeit zum Durchatmen? Die fehlt dann meistens. Und manchmal wundert man sich fast, dass so ein Pensum dauerhaft durchzuhalten ist, steigt doch die Burn-Out-Rate seit Jahren kontinuierlich an. Die Psychologen Bert te Wildt und Timo Schiele nennen dieses Phänomen „Burn-On“.

In ihrem Buch „Burn-on: Immer kurz vorm Burn Out“, definieren sie das Ganze als anhaltenden und funktionalen Erschöpfungszustand. Es geht also um die Menschen, die andauernd unter Strom stehen und einige Symptome des klassischen Burn-Outs aufweisen – aber eben ganz normal weiterarbeiten. Zum Vergleich: Das Burn-Out-Syndrom hingegen ist gekennzeichnet durch eine körperliche wie mentale Erschöpfung, eine zunehmende Distanz zum eigenen Job und ein reduziertes Leistungsvermögen.

Burn-On: Dauerstress kann Krankheiten wie Depressionen und Schlaganfall begünstigen

Kriterien, die einige Patienten von Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee, nicht erfüllt haben. Trotzdem war das Leid der Betroffenen real. Der Psychologe merkte: Die Patienten brennen nicht aus, sondern immer weiter. Gesund ist allerdings auch das nicht. Dauerstress erhöht das Risiko für die Entstehung von Krankheiten wie Depressionen oder einen Schlaganfall.  Und trotzdem kennt womöglich fast jeder das Gefühl, im Hamsterrad stecken zu bleiben und nur noch zu funktionieren, statt wirklich zu leben.

Psychologie


Sind Sie zu gestresst? Testen Sie Ihren Stress-Level

Das Kernproblem ist das Gleiche wie beim großen Bruder Burn-Out: Wir verlernen, richtig zu regenerieren. Der Leistungsgedanke verfolgt uns nicht nur im Job, sondern ist auch im Privatleben omnipräsent. Dadurch kennen wir irgendwann nichts anderes mehr als diese Daueranspannung und die damit einhergehende Erschöpfung – und gewöhnen uns an diesen Zustand. Es ist dann einfach normal, sich ausgelaugt zu fühlen. Viele Betroffene wissen deshalb nicht, wieso es ihnen nicht gut geht. Dabei liegt es für den objektiven Betrachter auf der Hand.

Symptome von Burn-On: Anhaltende Müdigkeit und hoher Leistungsdruck

Die Symptome einer chronischen Erschöpfung sind dementsprechend leicht zu identifizieren. Prägend ist eine anhaltende Müdigkeit und körperliche Erschöpfung, oft gepaart mit einem trotzdem anhaltenden Leistungsdenken. Auch Nervosität, innerliche Unruhe, Getriebenheit und Schlafstörungen können Hinweise darauf sein, dass Sie gerade brennen. Dauerstress kann zudem körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Herzrasen und Kopfschmerzen auslösen.

Weiterbrennen statt Ausbrennen – das ist eine gefährliche Gratwanderung. Wer nicht rechtzeitig merkt, dass die Daueranspannung zum Alltag gehört, der läuft Gefahr, sich in einen Zusammenbruch reinzuarbeiten. Es ist deshalb elementar, sich immer mal wieder Auszeiten zu nehmen. Ein normaler „gesunder“ Erschöpfungszustand lässt sich mit einem entspannten Feierabend oder einem erholsamen Urlaub wieder kurieren.

Gelingt Ihnen das wiederholt nicht, lohnt es sich, das eigene Stresslevel kritisch zu hinterfragen: Wann bin ich wirklich unbeschwert? Was tue ich nur für mich? Und wann habe ich das letzte Mal wirklich abgeschaltet? Das sind Fragen, die Ihnen dabei helfen können. Sollte die Antwort darauf sehr schwerfallen, lohnt es sich vielleicht, einmal kräftig auf die Stress-Bremse zu treten.

Quelle: Buch: Burn on: Immer kurz vorm Burn-Out; Ratgeber der Barmer Krankenkasse

Quelle: Den ganzen Artikel lesen

Zusammenhängende Posts