Schutz vor UV-Strahlen: Wie viel Sonnencreme braucht man, um sich effektiv zu schützen?

Gerade jetzt, da der Hochsommer in Deutschland angekommen ist und immer wieder Temperaturrekorde gebrochen werden, ist Sonnenschutz ein wichtiges Thema – das viele leider zu sehr auf die leichte Schulter nehmen.

Um die Haut vor irreparablen Schäden durch UV-Strahlung zu schützen, ist Sonnencreme essentiell und unersetzlich. Dabei ist es wichtig, auf die richtige Mengen, einen passenden Lichtschutzfaktor und seine Wirkdauer zu achten.

Zu wenig Sonnencreme schützt nicht ausreichend

„Viel hilft viel“ lautet das Motto, denn die benötigte Menge an Sonnenschutzcreme wird häufig unterschätzt. Hautärzte sind sich einig, dass 2 mg pro Quadratzentimeter Hautfläche für einen adäquaten Schutz von Nöten sind.

Die Körperoberfläche eines durchschnittlichen Erwachsenen beträgt ca. 1,7m² und wäre demnach mit etwa 34 Gramm Sonnencreme pro Cremevorgang ausreichend eingecremt.

Hautärztin Dr. Alice Martin von DERMANOSTIC rät im Gespräch mit FIT FOR FUN folglich, für einen 7-tägigen Urlaub – je nach Packungsgröße – etwa zwei Tuben Sonnencreme einzupacken.

Auch Dr. Uwe Schwichtenberg, Hautarzt aus Bremen, gibt zu bedenken, dass man eine ausreichende Menge Sonnencreme auftragen muss, damit das Produkt sein Versprechen einhalten und die Haut vor der UV-Strahlung schützen kann.

Drei bis vier Esslöffel müssen es sein, „nur so erreiche ich den auf der Packung angegebenen Lichtschutzfaktor“, weiß der Dermatologe.

Besonders der Rücken verbrennt oft

Der Test einer Versuchsgruppe hat gezeigt, dass besonders bei großen Flächen, zum Beispiel am Rücken, oft unzureichend viel Creme verwendet wird.

Auch schwerzugängliche Stellen oder jene, die zum Teil von Kleidung bedeckt sind, werden häufig unzureichend geschützt. Hier lohnt es sich, vorsorglich auch unter Teilen der Kleidung einzucremen, falls diese verrutschen sollte.

Lieber zu einem höheren LSF greifen

Hautärzte raten zu einem hohen Lichtschutzfaktor von mindestens 30, besser sei sogar 50.

Dieser Wert gibt an, um welchen Faktor sich die Zeit, in der sich jemand in der Sonne aufhalten kann, ohne zu verbrennen, verlängert.

Weil das Nachcremen häufig vergessen oder die Dauer des Schutzes überschätzt wird, ist man mit einem höheren Lichtschutzfaktor immer besser beraten.

Die Angst, wegen eines hohen LSF nicht braun zu werden, ist übrigens unbegründet. Es dauert zwar länger, doch „diese Bräune hält auch länger an“, versichert Dr. Martin.

Der Hauttyp ist entscheidend für den Sonnenschutz

Der Hauttyp bestimmt die Zeitspanne, während der sich die Haut selbst schützen kann. Insgesamt unterscheidet man sechs Typen, erklärt Dr. Martin.

„Die häufig auftretenden Hauttypen (Typ II / III) können ohne Sonnenschutz etwa zehn bis 15 Minuten in der Sonne verbleiben, ohne einen Sonnenbrand (Dermatitis Solaris) zu bekommen.“

Mit fortschreitender Bräune verändert sich der Hauttyp übrigens nicht. Der Irrglaube, man könne im Laufe des Urlaubs oder Sommers zu einem geringeren Lichtschutzfaktor greifen, ist somit fatal.

„Wer seine Haut schützen will, nimmt immer denselben hohen Lichtschutzfaktor“, empfiehlt der Münchner Hautarzt Dr. Christoph Liebich im Gespräch mit der ‚Rhein-Necker-Zeitung‘.

Nachcremen ist das A und O

Je nach Hauttyp und verwendetem Lichtschutzfaktor muss unterschiedlich oft nachgecremt werden.

„Der LSF wird mit der Eigenschutzzeit (abhängig vom Hauttyp) multipliziert. Ein Beispiel: Hauttyp I (meiste blaue/grüne Augen und blonde Haare) hat eine Eigenschutzzeit von ca. 5 Minuten. Bei LSF 50 verlängert sich der Schutz auf 250 Minuten (ca. 4 Stunden). Durch das Schwitzen und durch Reibung geht der Schutz verloren, daher bereits nach 2-3 Stunden erneut nachcremen“, erklärt Dr. Martin.

Diese Zeitspanne kann jedoch nur gelten, wenn auch ausreichend und lückenlos Sonnenschutz aufgetragen wurde.

Ab wann ist man gegen die UV-Strahlen geschützt?

Je nach Art der UV-Filter in der Sonnencreme schützen die Produkte unterschiedlich schnell. Chemische Filter brauchen 20 bis 30 Minuten Einwirkzeit, während mineralische (auch physikalische genannt) Filter sofort schützen.

Zudem sollte man beim Kauf von Sonnencreme darauf achten, dass das Produkt vor UVA- und UVB-Strahlen schützt. „UVA-Strahlen führen zur Hautalterung (‚Aging‘), UVB-Strahlen bleiben oberflächlicher und können einen Sonnenbrand verursachen (‚Burning‘)“, warnt Dr. Martin.

Auch wasserfester Schutz lässt nach dem Baden nach

Ein weiterer Faktor, der den Schutz von Sonnencremes schmälert, ist Flüssigkeit. Wer beispielsweise stark schwitzt, muss dementsprechend häufiger nachcremen.

Viele Sonnencremes sind mittlerweile wasserfest. Das bedeutet allerdings nicht, dass man nach dem Baden noch ausreichend geschützt ist.

Vielmehr soll mit der Wasserfestigkeit verhindert werden, dass der Schutz beim Schwitzen zu schnell zu stark nachlässt, weiß Hautarzt Dr. Kirschner von der Hautarztpraxis Mainz.

Reichhaltige Cremes oder dünnflüssige Sprays?

Fetthaltige Lotions haben den Vorteil, dass sie die Feuchtigkeit der Haut besser halten können. Wer zu trockener Haut neigt, ist mit diesen Produkten besser beraten.

Dünnflüssige Sonnencremesprays veranlassen oft dazu, zu wenig aufzutragen. Man sollte hiervon zwei- bis dreimal mehr verwenden, um denselben Schutz zu erreichen, so Dr. Kirschner.

Er rät außerdem dazu, die Creme als dünnen Film auf der Haut zu verteilen. Der Schutz nimmt nämlich ab, wenn die Creme in die Haut eingerieben wird.

Beim Sonnenschutz nicht an der falschen Stelle sparen

Die Haltbarkeit einer Sonnencreme ist neben einem Cremedöschen auf der Packung in Monaten (nach dem Öffnen) angegeben.

Sie verringert sich jedoch erheblich, wenn das Produkt der direkten Sonne ausgesetzt wird. Dermatologen raten daher grundsätzlich davon ab, aus Sparsamkeit den Sonnenschutz vom Vorjahr erneut einzupacken.

Statt an der Menge des gekauften Sonnenschutzes zu sparen, lohnt es sich außerdem, Produkttests zu lesen. Immer wieder stellen diese nämlich fest, dass auch günstige Sonnencremes effektiven Schutz vor der Sonne leisten können.

Zusätzlich ist das Geld in Kopfbedeckung und geprüfter Sonnenbrille gut investiert. Denn auch Haare, Kopfhaut und vor allem die Augen sollte man vor Sonnenstrahlung schützen.

Quellen

  • Presseportal (2020): Sonnencreme: Viel hilft viel, abgerufen am 6.08.2020 https://www.presseportal.de/pm/52678/4350056
  • Dr. Kirschner, U. (2020): Sonnenschutz: Sonnencreme richtig auftragen, abgerufen am 6.08.2020 https://www.hautarztpraxis-mainz.de/sonnencreme-richtig-auftragen/
  • Nauber, T. (2018): So geht Sonnenschutz richtig, abgerufen am 6.08.2020 https://www.rnz.de/ratgeber/gesundheit_artikel,-welcher-faktor-wie-viel-wie-oft-so-geht-sonnenschutz-richtig-_arid,365592.html

Kimberly Papenthin

*Der Beitrag „Schutz vor UV-Strahlen: Wie viel Sonnencreme braucht man, um sich effektiv zu schützen?“ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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