Infektion mit dem Coronavirus: Warum Männer häufiger an Covid-19 sterben als Frauen

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass grundlegende Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Immunsystem in ihren Möglichkeiten zur Abwehr einer Covid-19-Infektion bestehen.

Forscher der Universität Yale untersuchten Blutwerte von etwa 50 Frauen und 50 Männern. Im Schnitt waren die Probandinnen und Probanden um die 60 Jahre alt.

Die Auswertung gibt Anlass zu der Annahme, dass grundlegende Unterschiede zwischen dem weiblichen und dem männlichen Immunsystem bestehen, die sich auf die bei einer Infektion mit dem Coronavirus auch auf den Verlauf der Covid-19-Erkrankung auswirken können.

Diese betreffen das Vorkommen bestimmter Immunzellen sowie die Anzahl einiger Botenstoffe.

Stärkere T-Zell-Antwort bei Frauen

Aufrgund ihrer Ergebnisse, die sie im Fachblatt ‚Nature‘ vorgestellt haben, gehen die Forscherinnen und Forscher konkret von zwei bedeutenden Unterschieden bei einer Covid-19-Infektion bei Frauen und Männern aus.

Zum einen konnte bei Frauen eine stärker ausgeprägte T-Zell-Antwort beobachtet werden. T-Zellen sind die Zellen, die eine infizierte Zelle erkennen können; sie werden deshalb auch „Erinnerungszellen“ genannt.

Folglich werden von T-Zellen die nötigen Prozesse zur Eliminierung der erkrankten Zellen eingeleitet und so der Organismus geschützt.

Vermehrte Ausschüttung von Zytokinen bei Männern

Die zweite Besonderheit, die in der Studie auffiel, ist die stärkere Ausschüttung von Eiweißen, die Entzündungen begünstigen, bei Männern.

Lungenentzündungen und Atemnot, welche häufige Symptome eines schweren Covid-19-Verlaufs sind und manchmal sogar zum Tod führen, stehen hiermit in Zusammenhang.

Geschlechtsspezifische Behandlungen von Covid-19 sinnvoll

Aufgrund der entdeckten Unterschiede in den Reaktionen auf eine Infektion mit dem Coronavirus bei Männern und Frauen drängt sich eine Berücksichtigung dieser Erkenntnisse in der Behandlung auf.

Bei Männern bietet sich laut den Forschern eine Therapie zur Verstärkung der T-Zell-Antwort an.

Laut der aktuellen Studienergebnisse können bestimmte Immunreaktionen den Verlauf der Infektion bei Frauen verschlimmern. Daher könnten betroffene Patientinnen davon profitieren, jene Reaktionen in der frühen Phase durch eine entsprechende Behandlung abzuschwächen.

Das zweite X-Chromosom sorgt für besseren Schutz bei Frauen

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie kamen chinesische Forscher zu ähnlichen Ergebnissen.

Knapp 60 Prozent der an Covid-19 Erkrankten waren laut der damaligen Auswertung Männer, sie starben zudem wesentlich häufiger an einer Corona-Infektion als Frauen.

In diesem Zusammenhang fanden die Forscherinnen und Forscher heraus, dass wichtige Immunprozesse sich auf dem dem Mann fehlenden Teil des X-Chromosoms abspielen. Beispielsweise sind hier auch Prozesse kodiert, die vor Entzündungen schützen.

Hinzu kommt, dass Männer bei einer Corona-Infektion häufig Begleiterscheinungen aufweisen, die das Herz-Kreislaufsystem betreffen.

Östrogen hat zusätzliche Schutzwirkung

Männer erkranken grundsätzlich häufiger und auch schwerer an Viruserkrankungen im Allgemeinen und an Covid-19 im Speziellen als Frauen.

Besonders bei Virusinfektionen habe das weibliche Sexualhormon Östrogen eine schützende Funktion. Dies – so eine Theorie – liegt darin begründet, dass Frauen im Falle einer Schwangerschaft eine Immunabwehr für zwei aufrechterhalten müssen.

Da das männliche Sexualhormon Testosteron zu Östradiol verstoffwechselt wird, sind Männer mit einem höheren Testosteronspiegel besser geschützt als diejenigen mit einem niedrigeren.

Quellen

  • Takahashi, T. et al. (2020): Sex differences in immune responses that underlie COVID-19 disease outcomes, abgerufen am 31.08.2020: https://www.nature.com/articles/s41586-020-2700-3
  • Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. (2020): Coronavirus und das „starke“ Geschlecht: Männer erkranken häufiger und schwerer, abgerufen am 31.08.2020: https://www.mann-und-gesundheit.com/aktuelles/166-coronavirus-und-das-starke-geschlecht-maenner-erkranken-haeufiger-und-schwerer

Kimberly Papenthin

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