Zeitumstellung: Expertin warnt vor langanhaltenden Auswirkungen

Die letzte Zeitumstellung ist nicht ganz zwei Wochen her – und während sich manche Menschen schon längst an die Winterzeit gewöhnt haben, leiden andere noch immer darunter.

Ihre innere Uhr hat sich noch nicht umgestellt, bei manchen kann das Wochen oder sogar Monate dauern.

Plädoyer für die Abschaffung der Zeitumstellung

Die Zeitumstellung wurde ursprünglich eingeführt, um Energie zu sparen, doch es hat sich herausgestellt, dass die vermeintlichen Einsparungen nur sehr gering ausfallen.

Kein Wunder, dass es immer mehr Menschen gibt, die für die Abschaffung plädieren. Bei einer EU-weiten Umfrage haben sich im vergangenen Jahr 84 Prozent der Teilnehmer für das Ende der Zeitumstellung in der EU ausgesprochen.

Das EU-Parlament stimmte im März 2019 dafür, die Zeitumstellung tatsächlich abzuschaffen, 2021 sollten die Uhren zum letzten Mal umgestellt werden. Die EU-Kommission ging sogar noch einen Schritt weiter und schlug diesen Schritt schon für 2019 vor.

Nachdem die Frist für dieses Jahr bereits verstrichen ist, scheint sich derzeit jedoch auch keine Lösung für 2021 abzuzeichen. Der Grund: Die zuständigen EU-Verkehrsminister können sich nicht auf eine einheitliche Zeit einigen. Um einen Flickenteppich zu vermeiden, soll EU-weit dauerhaft entweder die Sommer- oder die Winterzeit gelten.

Politiker sind sich nach wie vor uneinig, welche Zeit zukünftig gelten oder ob die Zeitumstellung aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands doch erhalten bleiben sollte.

Experten plädieren hingegen klar für ein Ende der Zeitumstellung.

Dazu gehört auch Beth Ann Malow, Professorin für Neurologie und Pädiatrie in der Abteilung für Schlafstörungen am Vanderbilt University Medical Center, die verschiedene Studien zur Zeitumstellung auswertete.

Verminderte Wachsamkeit

Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftler kommt sie in einem Artikel, der in der Fachzeitschrift ‚Journal of the American Medical Association‘ veröffentlich wurde, zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Zeitumstellung nicht nur um zweimal eine Stunde pro Jahr handelt.

Vielmehr komme es zu tiefgreifenden Auswirkungen auf die biologische Uhr – und das für acht Monate im Jahr.

„Die biologische Uhr ist strukturell im Gehirn verwurzelt und wirkt sich auf Funktionen wie Energie und Wachsamkeit aus“, so Malow.

Nach der Zeitumstellung verkürze sich die durchschnittliche Schlafdauer bei Erwachsenen um 15 bis 20 Minuten, was Auswirkungen auf die Wachsamkeit hat. Eine verminderte Wachsamkeit wiederum hat ein erhöhtes Unfallrisiko zur Folge.

Negative Auswirkungen der Zeitumstellung

Weitere Folgen der Zeitumstellung sind eine Störung des Tagesrhythmus, was zu einer verminderten Schlafqualität führen kann. Außerdem führt die Expertin als weiteres Argument für die Abschaffung der Zeitumstellung das erhöhte Auftreten von Schlaganfällen und Herzinfarkten an.

„Die Leute denken, dass der einstündige Übergang keine große Sache ist und sie ihn an einem Tag überwinden können, aber was sie nicht erkennen, ist, dass ihre biologische Uhr nicht synchron tickt“, führt sie weiter aus.

Und während einige Menschen kaum von der Zeitumstellung beeinträchtigt werden, sind andere wesentlich empfindlicher, darunter auch autistische Kinder, die teilweise monatelang beeinträchtigt sind.

All diese Argumente führen die Expertin zu der Schlussfolgerung, dass es Menschen zuträglicher wäre, die Zeitumstellung abzuschaffen.

Quellen

  • Malow, B. et al. (2019): Are Daylight Saving Time Changes Bad for the Brain? abgerufen am 07.11.2019: https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2753446
  • Europäische Kommission (2018): Konsultation zur Sommerzeit: 84 Prozent der Teilnehmer sind für die Abschaffung der Zeitumstellung in der EU, abgerufen am 07.11.2019: https://ec.europa.eu/germany/news/20180831-konsultation-sommerzeit_de

Cover Media, Meike Leyerle

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